Die Kursentwicklung der Oracle-Aktie nimmt immer dramatischere Züge an. Gestern sackte der Kurs des Technologieriesen auf den tiefsten Stand seit Mai 2025 ab. Kann diese Nachricht Oracle neuen Schwung geben oder werden sich Anleger mit einem Investment auch weiterhin die Finger verbrennen?

Eine gute Nachricht

Das Kursplus der Oracle-Aktie von über +3% am Freitagmorgen zeigt, dass die gestern Abend veröffentlichte Nachricht durchaus einen nennenswerten positiven Effekt hat. Oracle sicherte sich einen Rahmenvertrag mit dem US-Kriegsministerium unter Führung der US Navy. Der Vertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren mit einem Basiswert von 3,31 Milliarden US$ für die ersten fünf Jahre und einem Gesamtwert von bis zu 6,99 Milliarden US$.

Ziel der Zusammenarbeit des Pentagons mit Oracle sind die Vereinheitlichung und Vereinfachung der Beschaffung von Oracle-Lösungen für Militär- und Verteidigungsbehörden, wodurch die US-Regierung geschätzte 441 Millionen US$ einsparen will. Im Rahmen des Vertrages können Verteidigungsbehörden Aufträge für Oracle-Software und sonstige Dienstleistungen des Technologiekonzerns vergeben.

Und eine sehr schlechte

Die Oracle-Aktie leidet aber seit Wochen unter einer schlechten Nachricht. Die Ratingagentur S&P Global stufte Anfang des Monats die Kreditwürdigkeit des Konzerns von „BBB“ auf „BBB-„ ab. Damit steht der Software- und Cloud-Konzern nur noch eine Stufe oberhalb des Ramschniveaus.

Für die miserable Krediteinstufung führte S&P Global gleich drei Gründe an:

Erstens die extrem schnell steigenden Investitionsanforderungen. Im letzten Geschäftsjahr, das am 31. Mai zu Ende ging, investierte Oracle fast 56 Milliarden US$ in den Ausbau seiner KI-Rechenzentrumsinfrastruktur. Dieses Investitionsvolumen konnte der Tech-Konzern allerdings nicht mehr durch seinen operativen Cashflow decken, der nur bei 32 Milliarden US$ lag.

Den negativen Cashflow von 24 Milliarden US$ musste Oracle durch die Aufnahme von Fremd- und Eigenkapital schließen. Im letzten Geschäftsjahr nahm der Konzern 43 Milliarden US$ an Fremd- und 5 Milliarden US$ an Eigenkapital auf, um seinen Investitionsbedarf zu decken.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Oracle mit einem weiter steigenden Nettomittelabschluss von rund 70 Milliarden US$. Zur Deckung des Cashflows dürfte die Aufnahme von zusätzlichen 40 Milliarden US$ an Eigen- und Fremdkapital erforderlich werden.

Zweitens der unsichere Weg zur Profitabilität. Nach Meinung der S&P-Analysten ist nicht klar, wann sich die massiven Investitionen von Oracle in die KI-Cloud-Infrastruktur auszahlen werden.

Und drittens die starke Kundenkonzentration. Zwar sitzt Oracle aktuell auf einem gewaltigen Berg von fast 640 Milliarden US$ an Remaining Performance Obligations. Aber Expertenschätzungen zufolge entfallen rund die Hälfte dieser verbleibenden Leistungsverpflichtungen auf einen einzigen Kunden, und zwar OpenAI.

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Bald zweistellige Kurse?

Das Chartbild der Oracle-Aktie ist desaströs. Seit Anfang Juni befindet sie sich im freien Fall. Innerhalb von nicht einmal zwei Monaten haben sich mehr als 50% des Börsenwertes des Technologiegiganten in Luft aufgelöst.

Das bisherige 12-Monatstief bei 138 US$ wurde mit einem Schlag durchbrochen. Zuletzt sackte der Kurs fast täglich auf ein neues Zwischentief. Sollte der nächste Widerstand bei 115 US$ nicht halten, könnte die Oracle-Aktie sogar Kurs auf die 100 US$-Marke nehmen.

Eine sehr riskante Wette

e Bewertung der Oracle-Aktie scheint aktuell ein unglaubliches Schnäppchen darzustellen. Sie liegt mit einem Forward-KGV von 15 auf einem historisch niedrigen Niveau.

Wenn man sich die zentralen Finanzkennzahlen von Oracle ansieht, kann man diese Bewertung kaum nachvollziehen. Der Umsatz wächst gegenwärtig mit über 30% pro Jahr und die operative Marge liegt ebenfalls bei über 30%.

Jedes andere Technologieunternehmen wäre mit diesen Kennzahlen ein unglaubliches Schnäppchen. Die Oracle-Aktie würde ich jedoch nicht als solches bezeichnen, denn der Konzern geht mit seinen im Wesentlichen schuldenfinanzierten KI-Infrastrukturinvestitionen ein gewaltiges Risiko ein.

Der Cashflow von Oracle reicht inzwischen bei weitem nicht mehr aus, um diese Investitionen zu stemmen. Ich habe die große Sorge, dass es mittelfristig zu einem Überangebot an Rechenzentrumskapazitäten kommen wird. Oracle ist nicht das einzige Unternehmen, dass derzeit mehr als seinen gesamten Cashflow in Rechenzentren pumpt. Ich fürchte, dass es in den kommenden Jahren einen starken Preisdruck für KI-Rechenleistungen geben wird.

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Ich glaube, dass sich Anleger weiterhin die Finger an der Oracle-Aktie verbrennen werden. Die Kursentwicklung des Tech-Titels in den letzten Monaten zeigt, dass die Börse die Strategie des Managements alles andere als gutheißt. Innerhalb eines Jahres hat sich der Aktienkurs halbiert.

Die All-in-KI-Strategie von Oracle mag aufgehen. Sie ist aber eine sehr riskante Wette. Ich habe die Befürchtung, dass diese Wette nicht aufgehen wird.

ℹ Oracle in Kürze

  • Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
  • Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
  • Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von fast 70 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
  • Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 345 Milliarden US$ wert.

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