Die Kursentwicklung der Lucid-Aktie ist derzeit nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Am vergangenen Dienstag kollabierte der Kurs des US-Elektroautoherstellers zeitweise um fast -60% auf knapp über 2 US$. Die Aktie ging bei 4,10 US$ auf einem neuen Allzeittief aus dem Handel. Doch in den letzten drei Handelstagen schoss die Lucid-Aktie um gewaltige +59% in die Höhe. Was steckt hinter der atemberaubenden Kurserholung und kann sie noch weitergehen?
Muss man Angst vor der Insolvenz haben?
Die massive Kurserholung der letzten Tage steht in direktem Zusammenhang mit dem gewaltigen Kurseinbruch Anfang letzter Woche. Der Grund für den Crash der Lucid-Aktie waren Spekulationen am Markt, wonach Lucid vor einer strategischen Neuausrichtung stehe und entweder einen freiwilligen Rückzug von der Börse (Take-Private) plane oder sogar einen Insolvenzantrag nach Gläubigerschutzverfahren (Chapter 11) vorbereite.
Der Befreiungsschlag für den Kurs der Lucid-Aktie folgte, als Kommunikationschef Nick Twork diese Gerüchte kategorisch und offiziell dementierte. Die Klarstellung, dass weder eine Insolvenz noch ein Delisting zur Debatte stehen, löste eine massive Erleichterungswelle aus.
Um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, untermauerte das Management die finanzielle Gesundheit des Unternehmens mit konkreten Zahlen. Lucid betonte, dass die vorhandene Liquidität ausreiche, um das operative Geschäft bis weit in das Jahr 2027 hinein vollständig zu finanzieren.
Zum Ende des ersten Quartals verfügte der Autobauer angabegemäß über 3,2 Milliarden US$ an flüssigen Mitteln. Zudem sichern die finanzielle Partnerschaft mit dem saudischen Staatsfonds PIF, der als Mehrheitsaktionär hinter Lucid steht, sowie strategische Kooperationen (u. a. mit Uber) das Überleben des Unternehmens langfristig ab.
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Eine enorm hohe Short-Quote
Ein weiterer Auslöser für den extrem starken Rebound der Lucid-Aktie war zweifellos die sehr hohe Short-Quote. Je nach Datenquelle lag die Leerverkaufsquote bei knapp 40%. Einige Marktdatenanbieter bezifferten die Spitzenwerte im Vorfeld der jüngsten Gerüchte sogar auf bis zu 48% des frei handelbaren Anteils.
Auch die Kennzahl „Days to Cover“ ist extrem hoch. Sie gibt an, wie viele Tage die Leerverkäufer bei einem durchschnittlichem Handelsvolumen bräuchten, um alle leerverkauften Aktien zurückzukaufen. Sie liegt aktuell bei deutlich über vier Tagen.
Ein dermaßen hoher Wert erhöht das Risiko eines Short Squeezes enorm. Bei unerwarteten Kurssteigerungen müssen sich Leerverkäufer innerhalb sehr kurzer Zeit zu ungünstigen Kursen mit Aktien eindecken.
Charttechnisch kaum zu beurteilen
Die Lucid-Aktie lässt sich momentan angesichts ihrer enorm hohen Volatilität charttechnisch kaum vernünftig beurteilen. Die Aktie beendete die letzte Handelswoche auf einem neuen 3-Monatshoch.
Für einen nachhaltigen Kursaufschwung muss Lucid allerdings wieder über die Marke von 10 US$ springen. Meines Erachtens ist ein derartiger Kursschub jedoch unwahrscheinlich.
Zieht Saudi-Arabien den Stecker?
Wie in meiner letzten Analyse der Lucid-Aktie kann ich Anleger heute nur ein weiteres Mal vor einem Investment warnen. Der Autobauer mag mit dem saudischen Staatsfonds einen wichtigen Mehrheitsaktionär und mit Uber einen wichtigen strategischen Partner zu besitzen. Beides ist mir aber zu wenig, um das langfristige Überleben des Elektroautobauers zu sichern.
Mit einem Jahresabsatz von rund 20.000 Fahrzeugen hat Lucid bis heute keine kritische Größe erreicht. Mit einer neuen Fahrzeugplattform, die zukünftig deutlich günstigere Modelle ermöglichen soll, will der Elektroautohersteller seinen Absatz deutlich erhöhen.
Ich fürchte nur, dass sie zu spät kommt. Die ersten Modelle, die auf dieser Plattform basieren, werden wahrscheinlich erst 2028 auf den Markt kommen.
Mir fehlt schon seit langem die Fantasie, was dem Kurs der Lucid-Aktie langfristig wieder Schwung bringen kann. Der Autobauer ist einfach zu unbedeutend und hat keine Alleinstellungsmerkmale, um sein langfristiges Überleben zu sichern.
Sobald der Ankeraktionär Saudi-Arabien Lucid den Stecker zieht, ist es um den Elektroautobauer geschehen. Noch scheint das arabische Königreich diesen Schritt nicht zu planen, aber meiner Meinung nach wird der Tag kommen.
Abschließend: Aktien, an die wir bei sharedeals im Gegensatz zu Lucid glauben, findest Du in unseren Top-Picks 2026.
Die Gefahr einer Insolvenz sehe ich bei Lucid kurzfristig nicht gegeben, mittelfristig aber schon. In meinen Augen hat der Autobauer zu wenige Argumente, um sein Überleben zu garantieren.
Lucid kann und wird meiner Meinung nach seinen Rückstand gegenüber dem Wettbewerb nicht mehr aufholen. Sobald der Mehrheitsaktionär Saudi-Arabien eines Tages zur gleichen Einsicht gelangt, werden bei Lucid die Lichter ausgehen.
Lucid in Kürze
- Lucid Motors (WKN: A3CVXG) ist ein US-amerikanischer Hersteller von Luxus-Elektroautos.
- Das 2007 gegründete Unternehmen mit Sitz in Newark in Kalifornien produziert derzeit zwei hochpreisige Automodelle: die Limousine Air und das SUV Gravity.
- Finanziell und strategisch wird das Unternehmen von Saudi-Arabien unterstützt, wo derzeit eine Autofabrik in Bau ist.
- Lucid ist derzeit noch Mitglied im Nasdaq 100-Index und hat einen Börsenwert von etwa 2,9 Milliarden US$.
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