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Kurz bevor die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2026 in ihre wichtigste Phase tritt, befindet sich der globale Aktienmarkt an einem entscheidenden Scheideweg.

Mehr als zwei Jahre lang hat ein unaufhaltsamer, KI-getriebener Bullenlauf die Bewertungen von Mega-Cap-Technologieunternehmen auf historisch hohem Niveau gehoben.

Auf den Handelsfluren hat sich die Erzählung jedoch grundlegend gewandelt. Die Ära, in der Unternehmen allein für das Aussprechen des Begriffs „künstliche Intelligenz“ belohnt wurden, ist offiziell vorbei.

Während Alphabet, Microsoft, Meta, Amazon und Apple sich darauf vorbereiten, ihre Bücher zwischen dem 22. und 30. Juli zu öffnen, verlangt die Wall Street konkrete Nachweise für die Monetarisierung.

Investoren geben keine Nachsicht mehr; sie wollen die Belege sehen.

Big Tech vor den Ergebnisberichten: Das $725-Milliarden-Wettrüsten

Die entscheidende Kennzahl dieses gesamten Berichtszyklus wird zweifellos die Kapitalausgaben (Capex) sein.

Das Ausmaß der Infrastrukturinvestitionen, das die vier großen US-Hyperscaler – Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta – tätigen, hat enorme Ausmaße erreicht.

Laut aktualisierten Konsensdaten liegt ihre kombinierte Capex‑Prognose für das laufende Jahr nun bei einem beispiellosen 725 Milliarden USD (ca. 632,4 Milliarden €), was einem gewaltigen Anstieg von 77% gegenüber 2025 entspricht.

Für 2026 prognostizierte Capex-Verpflichtungen:

Amazon: ~200 Milliarden USD (ca. 174,5 Milliarden €)

Microsoft: ~190 Milliarden USD (ca. 165,7 Milliarden €)

Alphabet: 180 Milliarden USD (ca. 157 Milliarden €) – 190 Milliarden USD (ca. 165,7 Milliarden €)

Meta Platforms: 125 Milliarden USD (ca. 109 Milliarden €) – 145 Milliarden USD (ca. 126,5 Milliarden €)

Diese enorme Kapitalallokation in GPUs, Stromnetze und massive Rechenzentrumsflächen hat bei institutionellen Allokatoren erhebliche Besorgnis ausgelöst.

Während dieser strukturelle Ausbau Hardware‑Anbietern wie Nvidia (die ihre Rechenzentrumskennzahlen erst am 26. August melden werden) als großer langfristiger Rückenwind dient, setzt er die Software- und Cloud‑Giganten unter enormen Druck, nachzuweisen, dass dieses Kapital hochmargige Erträge abwirft.

Eine Senkung der Guidance in dieser Woche würde auf eine schwache zugrunde liegende Unternehmensnachfrage hindeuten – während eine unbegründete Ausweitung der Ausgaben ohne entsprechenden Umsatzschub einen starken, margentreibenden Abverkauf auslösen könnte.

Der Berichtsplan: Wichtige Termine und Brennpunkte

Die schwere Phase beginnt nächste Woche, wobei der Markt drei spezifische Berichtsfenster genau im Blick hat:

  • 22. Juli 2026 (Alphabet): Das Mutterunternehmen von Google eröffnet das Rennen zusammen mit Tesla. In den Q1-Ergebnissen wuchs der Umsatz von Google Cloud um erstaunliche 63% im Jahresvergleich und erreichte 20 Milliarden USD (ca. 17,4 Milliarden €), bei einer Rekord‑Betriebsmarge von 32,9%. Die Wall Street erwartet, dass der Q2‑Umsatz ungefähr 116,8 Milliarden USD (ca. 101,9 Milliarden €) erreicht. Im Kern geht es darum, ob Google Cloud sein 63%iges Wachstum halten kann oder ob aggressive neue Marktteilnehmer begonnen haben, in seine Enterprise‑Pipeline einzudringen.
  • 29. Juli 2026 (Microsoft & Meta): Microsoft wird seine Ergebnisse für das vierte fiskalische Quartal präsentieren; jede Angabe zum Azure‑Wachstum unter 35% wird wahrscheinlich als starke Verlangsamung gewertet. Gleichzeitig muss Meta nachweisen, dass seine Capex von 125 Milliarden USD (ca. 109 Milliarden €)+ weiterhin seine Targeting‑Engine für Werbung optimiert und das Umsatzwachstum ankurbelt, um die massive Cash‑Burn seiner Infrastrukturschicht auszugleichen.
  • 30. Juli 2026 (Amazon & Apple): Für Amazon wird ein Umsatz in der Nähe von 196 Milliarden USD (ca. 171 Milliarden €) erwartet, wobei der Markt stark auf die Margenausweitung von AWS fokussiert ist. Apple wird seine Zahlen für das dritte Fiskalquartal mit einem geschätzten Umsatz von 108,9 Milliarden USD (ca. 95 Milliarden €) veröffentlichen. Apple bietet eine interessante konträre Option: Durch die Nutzung einer installierten Basis von über 2,3 Milliarden aktiven Geräten zur Einführung von „Apple Intelligence“ verfolgt es eine kapitalarme KI‑Strategie, die seine Margen gegen das Rechenzentrums‑Ausgabenwettrüsten der Konkurrenz schützt.

Cloud‑Wachstum: Der ultimative Lackmustest

Da die Nachfrage nach KI im Unternehmensbereich zuerst in der Cloud‑Infrastruktur sichtbar wird, dienen die sequenziellen und im Jahresvergleich gemessenen Wachstumsraten von Azure, AWS und Google Cloud als das ultimative Wahrheitskriterium des Marktes.

Investoren sind sehr sensibilisiert gegenüber dem Risiko einer Margenverengung – einem Szenario, in dem hohe Abschreibungskosten durch neu errichtete Rechenzentren anfallen, bevor Unternehmenskunden ihre bezahlten Software‑Lizenzen und API‑Nutzung hochfahren.

Eine Warnung wurde bereits an den breiteren Technologiesektor gerichtet, nachdem IBM am 14. Juli die Gewinnerwartungen verfehlt hatte, was einen scharfen Tagesverlust auslöste.

Analysten führten dieses spezifische Ereignis zwar auf Timing‑Probleme in der Hardware‑Lieferkette und nicht auf eine systemische Schwäche der makroökonomischen KI‑Nachfrage zurück, doch es machte deutlich, wie fragil das Anlegervertrauen geworden ist.

Da die Bewertungen auf Perfektion ausgerichtet sind, wird die bevorstehende mehrtägige Phase entscheiden, ob die massiven architektonischen Wetten der Big Tech die nächste Phase der makroökonomischen Expansion tragen können oder ob der Markt eine harte Realitätserfahrung hinsichtlich der tatsächlichen Geschwindigkeit der KI‑Monetarisierung erleben wird.

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