Für die TSMC-Aktie ist der Juli bislang kein guter Monat. Nachdem Ende Juni noch der Sprung auf ein neues Rekordhoch gelang, stehen seit der Monatswende Kursverluste von mehr als -12% zu Buche. Nun hat der taiwanesische Chip-Auftragsfertiger frische Zahlen vorgelegt und auch sie sorgen zunächst nicht für eine Trendwende. Vorbörslich verliert das Papier knapp -4% und steht bei 403 US$. Warum reagieren Anleger so betrübt und wie kann es jetzt weitergehen?
Fünftes Rekordquartal in Folge
Operativ lässt TSMC weiter kaum Wünsche offen. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger hat im zweiten Quartal einmal mehr die Erwartungen übertroffen und damit eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass der KI-Boom weiterhin auf Hochtouren läuft.
TSMC steigerte den Nettogewinn im zweiten Quartal um 77% auf 706,6 Milliarden Taiwan-Dollar (21,93 Milliarden US$) und übertraf damit die Analystenschätzungen von rund 632,6 Milliarden Taiwan-Dollar deutlich. Gleichzeitig erhöhte sich der Umsatz um 36% auf 1,27 Billionen Taiwan-Dollar. Auch die Bruttomarge fiel mit 67,7% besser aus als erwartet.
Bemerkenswert ist vor allem die hohe Qualität des Wachstums. Bereits 77% des Wafer-Umsatzes stammen inzwischen aus modernsten Fertigungsprozessen mit Strukturbreiten von sieben Nanometern und kleiner. Genau dort werden die Hochleistungschips für KI-Anwendungen gefertigt. Zu den wichtigsten Kunden zählen Nvidia, Apple und Broadcom.
TSMC hat damit bereits das fünfte Rekordquartal in Folge abgeliefert und seine Schlüsselrolle als wichtigster Profiteur des weltweiten Ausbaus der KI-Infrastruktur bestätigt.
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Management wird noch optimistischer
Noch wichtiger als die Quartalszahlen dürfte allerdings der Ausblick sein. Das Management hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr an und erwartet nun in US-Dollar ein Wachstum von mehr als 40%, nachdem bislang lediglich ein Plus von über 30% in Aussicht gestellt worden war.
Auch bei den Investitionen legt TSMC kräftig nach. Statt bisher 52 bis 56 Milliarden US$ sollen nun 60 bis 64 Milliarden US$ in neue Fertigungsanlagen fließen. Gleichzeitig stellte das Unternehmen weitere Fabriken in den USA in Aussicht.
Diese höheren Investitionen sind ein starkes Signal. TSMC investiert nur dann in dieser Größenordnung, wenn eine dauerhaft hohe Auslastung erwartet wird. Vorstandschef C.C. Wei betonte zudem, dass die Nachfrage nach KI-Chips mindestens bis 2030 sehr robust bleiben dürfte. Damit erhält die These eines langfristigen KI-Superzyklus neue Nahrung.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Entsprechend positiv fallen die Reaktionen der Analysten aus. Praktisch alle großen Investmentbanken bestätigen ihre Kaufempfehlungen oder haben ihre Kursziele zuletzt angehoben.
Die Bank of America zählt TSMC weiterhin zu ihren Top-Picks und sieht für das US-ADR ein Kursziel von 590 US$. Susquehanna nennt 575 US$ als Ziel, während Citigroup und UBS ebenfalls ihre positiven Einschätzungen bekräftigen. Im Marktkonsens liegt das durchschnittliche Kursziel inzwischen bei etwa 500 US$.
Auch die Bewertung wirkt trotz der Kursrallye keineswegs überzogen. Zwar liegt das aktuelle KGV auf Basis der vergangenen zwölf Monate mit rund 36 über dem historischen Durchschnitt. Durch das erwartete Gewinnwachstum sinkt das Forward-KGV jedoch bereits auf etwa 24 bis 27 und könnte im kommenden Jahr sogar unter die Marke von 20 fallen. Für einen Quasi-Monopolisten bei modernsten Fertigungsprozessen erscheint das weiterhin attraktiv.
Chartbild bleibt konstruktiv
Charttechnisch befindet sich die Aktie unverändert in einem intakten langfristigen Aufwärtstrend. Seit April vergangenen Jahres hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Nach dem jüngsten Rekordhoch Ende Juni läuft derzeit jedoch eine gesunde Konsolidierung.
Dabei wurde zuletzt die 50-Tage-Linie unterschritten. Nun rückt die psychologisch wichtige Marke von 400 US$ als erste Unterstützungszone in den Fokus. Sollte diese nicht halten, wäre ein Rücksetzer bis zur 100-Tage-Linie bei 392,85 US$ durchaus denkbar. Genau dort drehte die Aktie bereits während der Korrektur im März wieder nach oben.
Kurzfristig sorgt die hohe Erwartungshaltung für Gewinnmitnahmen. Fundamental liefert TSMC jedoch genau das, was Anleger sehen wollten: Rekordzahlen, einen angehobenen Ausblick und noch höhere Investitionen in den KI-Ausbau. Das spricht dafür, dass die Nachfrage nach Hochleistungschips keineswegs nachlässt.
Die aktuelle Konsolidierung dürfte deshalb eher eine Verschnaufpause innerhalb eines langfristig intakten Aufwärtstrends sein als der Beginn einer nachhaltigen Trendwende. Für langfristig orientierte Anleger bleiben die Perspektiven ausgesprochen attraktiv.
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TSMC in Kürze
- Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company Limited (WKN: 909800), kurz TSMC, ist der weltweit größte unabhängige Auftragsfertiger für Halbleiterprodukte.
- Zu den Kunden gehören fast alle bekannten Fabless-Unternehmen wie AMD, Apple, Qualcomm, Nvidia, Marvell oder Broadcom.
- TSMC ist neben Taipeh auch an der NYSE gelistet und aktuell ca. 2,17 Billionen US$ wert.
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