Die SAP-Aktie zeigt weiter keinerlei Anzeichen für eine Trendwende. Zwar konnte sich der Kurs nach einem weiteren massiven Abverkauf im Juni zum Ende des Monats etwas erholen, doch in den letzten Tagen bestimmten die Bären wieder das Geschehen. Was belastet den Kurs und wie sind die weiteren Aussichten beim DAX-Schwergewicht?

IBM liefert den nächsten Dämpfer für Software-Aktien

Auslöser der jüngsten Verkaufswelle waren die überraschend schwachen Quartalszahlen von IBM. Der US-Konzern blieb mit einem Umsatz von 17,2 Milliarden US$ klar hinter den Erwartungen zurück und verwies darauf, dass viele Unternehmenskunden ihre IT-Budgets zuletzt verstärkt in Server, Speicher und KI-Infrastruktur umgeschichtet hätten. Software- und Cloud-Projekte seien dadurch zunächst in den Hintergrund gerückt.

Genau diese Entwicklung trifft SAP an einem empfindlichen Punkt. Der Markt diskutiert schon seit Monaten, ob der enorme Investitionsbedarf für KI-Rechenzentren kurzfristig zulasten klassischer Unternehmenssoftware geht. IBM liefert nun erstmals konkrete Hinweise, dass sich diese Budgetverschiebung tatsächlich bemerkbar macht – zumindest vorübergehend.

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Mehrere Belastungsfaktoren kommen zusammen

Der IBM-Schock fällt allerdings nicht in einen luftleeren Raum. Schon seit Wochen leidet der gesamte Softwaresektor unter zunehmenden Disruptionssorgen. Anleger fragen sich, wie schnell KI-Agenten Unternehmensprozesse automatisieren und welche Auswirkungen dies auf bestehende ERP-Modelle haben könnte.

Zusätzlichen Gegenwind lieferte zuletzt Oracle. Der US-Konzern kämpft mit steigender Verschuldung infolge gewaltiger KI-Investitionen und geriet nach einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit erneut kräftig unter Druck. Der Kursrutsch belastete die Stimmung im gesamten Softwaresektor weiter.

Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten. Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten sorgten zeitweise für eine allgemein höhere Risikoaversion gegenüber europäischen Technologiewerten. SAP selbst befindet sich zudem in der Quiet Period vor den Quartalszahlen und kann den Spekulationen derzeit kaum etwas entgegensetzen.

Analysten bleiben langfristig optimistisch

Auch die Analysten reagieren inzwischen vorsichtiger. UBS senkte das Kursziel zuletzt deutlich von 205 auf 164 €, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Als größte Herausforderung sehen die Experten die komplexe Integration neuer KI-Agenten in bestehende ERP-Landschaften. Gerade diese Komplexität könnte die Monetarisierung der KI-Strategie zunächst bremsen.

Dennoch liegt selbst das neue UBS-Kursziel klar über dem aktuellen Kursniveau. Auch die meisten anderen Analysten bleiben konstruktiv und sehen die jüngste Schwäche eher als Bewertungsanpassung denn als fundamentalen Bruch der Investmentstory. Im Durchschnitt sehen die Experten SAP mit 202 € fair bewertet, was einem Upside-Potenzial von fast +50% entspricht.

Bewertung wird attraktiver – jetzt zählen die Quartalszahlen

Nach dem kräftigen Kursrückgang hat sich auch die Bewertung deutlich entspannt. Das Forward-KGV für 2026 liegt inzwischen nur noch bei rund 20 und damit klar unter den Bewertungsniveaus der vergangenen Jahre. Für 2027 könnte die Kennzahl auf etwa 17 und 2028 sogar auf unter 15 sinken – vorausgesetzt, SAP liefert wie erwartet weiteres Gewinnwachstum.

Der nächste große Prüfstein folgt bereits am 23. Juli, wenn SAP seine Zahlen für das zweite Quartal vorlegt. Entscheidend wird dabei weniger das eigentliche Zahlenwerk sein als der Ausblick. Anleger werden genau darauf achten, ob das Management die Cloud-Dynamik bestätigt und einen klareren Fahrplan für die Monetarisierung seiner KI-Angebote präsentiert.

Chart bleibt angeschlagen

Charttechnisch hat sich die Lage zuletzt weiter eingetrübt. Die Aktie befindet sich unverändert in einem mittelfristigen Abwärtstrend und hat seit ihrem Hoch im Februar 2025 inzwischen mehr als die Hälfte ihres Börsenwerts eingebüßt. Besonders belastend war der nachhaltige Bruch der langfristig wichtigen 200-Wochen-Linie, der durch den gescheiterten Erholungsversuch im Mai und den Abpraller Anfang Juni zusätzlich bestätigt wurde.

Jetzt richtet sich der Blick erneut auf die zentrale Unterstützungszone um 130 €, die auf frühere Hochpunkte aus den Jahren 2020 und 2021 zurückgeht und bereits im Juni erfolgreich verteidigt werden konnte. Sollte diese Marke fallen, dürfte der langfristige Aufwärtstrend seit dem Tief von 2008 im Bereich von rund 115 € zum nächsten Ziel werden. Darunter würde sogar die psychologisch wichtige 100-€-Marke mitsamt der dort verlaufenden 200-Monats-Linie in den Fokus rücken.

Der IBM-Schock hat die ohnehin fragile Stimmung im Softwaresektor weiter verschlechtert. KI-Disruptionssorgen, der Kursverfall bei Oracle und geopolitische Risiken sorgen für zusätzlichen Druck. Gleichzeitig ist SAP nach dem massiven Kursrückgang so günstig bewertet wie seit Jahren nicht mehr.

Für einen nachhaltigen Stimmungsumschwung reicht eine niedrige Bewertung allein jedoch nicht aus. Erst wenn die anstehenden Quartalszahlen zeigen, dass Cloud-Geschäft und KI-Strategie trotz der aktuellen Unsicherheiten auf Kurs bleiben, dürfte die Aktie wieder das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen.

Bis dahin bleibt Zurückhaltung angebracht – auch wenn ein großer Teil der schlechten Nachrichten inzwischen eingepreist sein dürfte.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

ℹ SAP in Kürze

  • Die SAP SE (WKN: 716460) gehört weltweit zu den führenden Softwareunternehmen im Bereich Unternehmenssoftware. Der Konzern bietet Lösungen für Geschäftsprozesse, Datenmanagement und Cloud-Anwendungen für Unternehmen jeder Größe.
  • Der Hauptsitz befindet sich in Walldorf (Deutschland). SAP ist weltweit tätig und verfügt über zahlreiche Standorte und Kunden in nahezu allen Branchen.
  • Die Aktie ist im DAX und Euro Stoxx 50 gelistet und zählt mit einer Marktkapitalisierung von rund 158,6 Milliarden € zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas.

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