Die Mercedes-Benz-Aktie befindet sich seit Jahresbeginn in einer ausgeprägten Schwächephase. Am Mittwoch notiert sie aktuell bei 44,80 €. Damit beläuft sich der Kursverlust seit Jahresanfang auf rund -27%. Die entscheidende Frage lautet: Drohen weitere Kursrückgänge oder eröffnen sich auf diesem Niveau bereits interessante Einstiegschancen?
Hohe Kosten belasten
Der Konzern sieht seine Wettbewerbsfähigkeit vor allem durch die hohen Kosten am Standort Deutschland beeinträchtigt.
Insbesondere die Personalkosten stehen dabei im Fokus. Für die deutsche Automobilindustrie gelten die Tarifverträge der IG Metall, wodurch sowohl die Löhne als auch die Arbeitskosten im internationalen Vergleich hoch sind. Hinzu kommt die schrittweise Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf derzeit 35 Stunden.
Mercedes kritisiert insbesondere diesen Punkt und spricht sich für eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche aus, um die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
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Sparprogramm aufgelegt
Als Reaktion auf die hohen Kosten sowie die anhaltende Nachfrageschwäche in China hat Mercedes das Effizienzprogramm „Next Level Performance“ gestartet.
Im Mittelpunkt stehen die Senkung der Produktions- und Personalkosten sowie die stärkere Verlagerung einzelner Fertigungsbereiche in kostengünstigere Länder.
In der Verwaltung sollen rund 5.500 Stellen abgebaut werden. Darüber hinaus werden bestimmte Sonderzahlungen verschoben. So wird die nächste Generation der A-Klasse künftig im ungarischen Kecskemét produziert.
Ob diese Maßnahmen ausreichen, bleibt allerdings offen. Auch Wettbewerber wie Volkswagen prüfen trotz bereits laufender Sparprogramme weitere Einschnitte.
Warten auf die Zahlen zum zweiten Quartal
Nachdem die ersten Monate des Jahres von rückläufigen Umsätzen und einer schwächeren Ertragslage geprägt waren, richtet sich der Blick nun auf die anstehenden Quartalszahlen.
Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz in etwa auf Vorjahresniveau von rund 132 Milliarden €. Gleichzeitig soll sich das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahreswert von 5,8 Milliarden € deutlich verbessern, wozu insbesondere die eingeleiteten Sparmaßnahmen beitragen sollen. Der Fahrzeugabsatz wird bei rund 2,1 Millionen Einheiten erwartet.
Die Zahlen zum zweiten Quartal dürften wichtige Hinweise darauf liefern, ob die eingeleiteten Maßnahmen bereits erste positive Effekte zeigen.
Bewertung
Eine schnelle Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Automobilbranche ist derzeit nicht in Sicht. Die schwache Nachfrage in China sowie die Unsicherheiten auf dem US-Markt bleiben erhebliche Belastungsfaktoren.
Das Sparprogramm ist daher ein wichtiger Schritt, um die Profitabilität langfristig wieder zu steigern.
Im aktuellen Kurs sind aus meiner Sicht bereits viele negative Entwicklungen eingepreist. Kurzfristig können weitere Kursrückgänge dennoch nicht ausgeschlossen werden.
Positiv bleibt die attraktive Dividendenrendite. Selbst bei einer erneuten Kürzung dürfte sie weiterhin deutlich über 5% liegen und damit für einkommensorientierte Anleger interessant bleiben.
Kurzfristig spricht wenig für einen nachhaltigen Kursanstieg. Zunächst sollte sich eine stabile Bodenbildung herausbilden.
Für langfristig orientierte und dividendenbewusste Anleger bietet das aktuelle Kursniveau jedoch durchaus interessante Einstiegschancen. Entscheidend wird sein, ob Mercedes-Benz seine Kosten nachhaltig senken und die Ertragskraft in den kommenden Quartalen wieder verbessern kann.
Passend dazu: Während viele nur auf die Dividendenrendite schauen, bieten einige Titel derzeit beides – regelmäßige Ausschüttungen und deutliches Aufwärtspotenzial. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten für das kommende Jahr.
Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Mercedes-Benz. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
Mercedes-Benz in Kürze
- Mercedes-Benz (WKN: 710000) ist einer der traditionsreichsten Autohersteller der Welt. Mit einem Absatz von rund 2,5 Millionen Fahrzeugen (Pkw und Vans) gehört der Konzern mit Sitz in Stuttgart zu den drei wichtigsten Autobauern Deutschlands.
- Gemessen am Umsatz zählt die Mercedes-Benz-Gruppe sogar zu den größten Autoherstellern der Welt.
- An der Börse wird das im DAX gelistete Unternehmen mit knapp 43 Milliarden € bewertet.
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