Seit unserer positiven Einschätzung zur Aktie von Duolingo im Mai konnte sich diese deutlich erholen. Während kurzfristige Sorgen um die Profitabilität den Kurs belasten, sprechen die Entwicklung der Nutzerzahlen und die langfristigen Wachstumsaussichten weiterhin für das Unternehmen.

Die Investmentthese für Duolingo und die gleichnamige Sprachlern-App bleibt aus langfristiger Sicht überzeugend. Trotz anhaltender Diskussionen über mögliche Risiken durch Künstliche Intelligenz und eine geringere Dynamik in den sozialen Medien wächst die Plattform weiterhin bemerkenswert stark. Das Management priorisiert derzeit bewusst die Ausweitung der Nutzerbasis anstelle einer maximalen Monetarisierung, wodurch die Gewinnentwicklung im Jahr 2026 zwar unter Druck gerät. Diese Belastung dürfte jedoch vorübergehender Natur sein und wird aus heutiger Sicht vom Markt überbewertet.

Übrigens: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

Skepsis am Markt trifft auf robuste Geschäftszahlen

An den Kapitalmärkten bestehen weiterhin Zweifel an den langfristigen Wachstumsperspektiven von Duolingo. Immer wieder wird argumentiert, dass KI-Chatbots oder mit Künstlicher Intelligenz entwickelte Sprachlernangebote den Wettbewerb verschärfen könnten. Zudem wird befürchtet, dass immer leistungsfähigere Übersetzungstechnologien die Motivation zum Erlernen neuer Sprachen sinken lassen. Hinzu kamen Diskussionen über eine geringere Reichweite der Social-Media-Kanäle, die bislang ein wichtiger Marketinghebel des Unternehmens waren.

Die Geschäftsentwicklung zeichnet jedoch ein anderes Bild. Duolingo hält unverändert an seinem Ziel fest, bis 2028 rund 100 Millionen täglich aktive Nutzer zu erreichen. Bereits im ersten Quartal lag die Zahl der täglich aktiven Nutzer bei 56,5 Millionen. Das entspricht einem Wachstum von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr sowie einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorquartal und markiert erneut einen Höchststand.

Um das Ziel von 100 Millionen täglich aktiven Nutzern bis Ende 2028 zu erreichen, wäre ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 23 Prozent erforderlich. Nach Angaben des Managements wird für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 ein Nutzerwachstum von etwa 20 Prozent erwartet. Damit liegt die Entwicklung zwar leicht unter dem erforderlichen Tempo, bleibt dem langfristigen Ziel jedoch weiterhin sehr nahe.

Starke Nutzerdynamik hält unvermindert an

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die Wachstumsgeschichte bislang unvermindert fortsetzt. Weder ChatGPT noch andere KI-gestützte Anwendungen konnten Duolingo bislang spürbar Marktanteile abnehmen. Das Unternehmen verfügt über eine umfangreiche Bibliothek hochwertiger Lerninhalte in zahlreichen Sprachen, deren Aufbau erhebliche Ressourcen erfordert. Gleichzeitig sorgt das spielerische Lernkonzept für eine hohe Nutzerbindung und stellt einen wichtigen Wettbewerbsvorteil dar.

Auch die Markenstärke bleibt ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Duolingo gilt weiterhin als bekannteste Sprachlern-App und ist für viele Interessenten die erste Anlaufstelle. Zwar hat die Aktivität auf Plattformen wie Instagram und TikTok im Vergleich zu den Jahren 2022 bis 2024 nachgelassen, dennoch hat sich diese Entwicklung bislang nicht negativ auf das Nutzerwachstum ausgewirkt. Die hohe Markenbekanntheit und das charakteristische grüne Eulenmaskottchen sorgen weiterhin für eine klare Wiedererkennbarkeit.

Auch die zunehmenden Möglichkeiten automatischer Übersetzungen dürften den Sprachlernmarkt nur begrenzt beeinflussen. Die wichtigsten Beweggründe für das Erlernen einer Fremdsprache bleiben das bessere Verständigen auf Reisen, persönliches Interesse an einer Sprache sowie geistige Fitness. Moderne Übersetzungstechnologien ersetzen diese Motive nur in begrenztem Umfang.

Kurzfristige Belastungen bei der Profitabilität

Bei der Ertragsentwicklung zeichnet sich allerdings eine temporäre Abschwächung ab. Für das Jahr 2026 stellt Duolingo ein bereinigtes EBITDA von rund 310 Millionen US-Dollar in Aussicht. Daraus ergibt sich eine EBITDA-Marge von 25,7 Prozent und damit ein Rückgang um 3,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Nach mehreren Jahren deutlicher Margensteigerungen fällt dieser Ausblick entsprechend verhalten aus.

Hinter dieser Entwicklung steht eine bewusste strategische Entscheidung. Statt die Monetarisierung weiter zu verschärfen, legt das Unternehmen den Schwerpunkt auf den Ausbau seiner Nutzerbasis. In der Vergangenheit wurden kostenlose Funktionen stärker eingeschränkt, um mehr Nutzer zu zahlenden Abonnenten zu machen. Dieser Ansatz führte jedoch teilweise zu Unzufriedenheit innerhalb der Community. Nun soll das Produkt attraktiver werden und langfristig mehr Nutzer anziehen.

Zusätzlich investiert Duolingo verstärkt in Videotelefonie-Funktionen, neue Lerninhalte sowie Markenmarketing. Gleichzeitig steigen dadurch Serverkosten und weitere betriebliche Aufwendungen. Das erwartete Buchungswachstum von lediglich rund 10,5 Prozent sowie die niedrigeren Margen spiegeln diese bewusst gewählte Strategie wider.

Langfristig dürfte sich diese Phase jedoch als vorübergehend erweisen. Mit einer größeren Nutzerbasis sollten auch die Buchungen wieder stärker wachsen, sobald die derzeit geringere Monetarisierung in den kommenden Jahren ausläuft. Bereits in der Vergangenheit konnte Duolingo eindrucksvoll zeigen, wie stark sich die Profitabilität durch Skaleneffekte verbessern lässt.

Attraktive Bewertung trotz langfristiger Wachstumsperspektiven

Auch die Bewertung spricht weiterhin für die Aktie. Das erwartete Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA liegt mit 15,3 nahe einem historischen Tief.

Im aktualisierten Discounted-Cashflow-Modell wird für den Zeitraum von 2025 bis 2035 ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 8,6 Prozent sowie anschließend ein langfristiges Wachstum von drei Prozent unterstellt.

Zwar wurden die kurzfristigen Margenerwartungen gesenkt, ab 2027 dürfte die operative Hebelwirkung jedoch wieder für steigende Margen sorgen. Langfristig wird eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 31 Prozent erwartet. Gleichzeitig profitiert Duolingo von einer hohen Cashflow-Generierung, die durch geringe Investitionsausgaben, steuerliche Vorteile aus aktienbasierter Vergütung und steigende Kundenvorauszahlungen unterstützt wird. Zudem wird eine Verwässerung der Aktienzahl von rund zehn Prozent berücksichtigt.

Auf Basis dieser Annahmen ergibt sich ein fairer Wert von 192,80 US-Dollar je Aktie. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 51 Prozent gegenüber dem damaligen Kursniveau. Trotz einer niedrigeren Bewertung als zuvor mit 215,50 US-Dollar erscheint die Aktie damit weiterhin deutlich unterbewertet.

Der Bewertung liegt ein gewichteter Kapitalkostensatz von 8,57 Prozent zugrunde. Dieser basiert auf einer schuldenfreien Kapitalstruktur, einer Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von 4,54 Prozent, einer Eigenkapitalrisikoprämie von 4,45 Prozent, einem Beta von 0,86 sowie einem geringen Liquiditätsaufschlag.

Langfristige Chancen überwiegen kurzfristige Risiken

Die derzeitigen Sorgen über den Einfluss Künstlicher Intelligenz sowie die vorübergehende Abschwächung der Profitabilität scheinen im Aktienkurs bereits weitgehend eingepreist zu sein. Gleichzeitig entwickelt sich das Nutzerwachstum weiterhin robust und die langfristigen Wachstumsperspektiven bleiben intakt. Mit einer größeren Nutzerbasis und steigenden Skaleneffekten besitzt Duolingo gute Voraussetzungen, die Ertragskraft in den kommenden Jahren wieder deutlich auszubauen.

Die kurzfristig schwächere Profitabilität dürfte den langfristigen Wachstumskurs von Duolingo kaum nachhaltig beeinträchtigen. Gelingt es dem Unternehmen, das hohe Nutzerwachstum aufrechtzuerhalten, bleibt die Aktie trotz der bestehenden Risiken und eines seit unseres Kauftipps bereits um +30% gestiegenen Kurses langfristig aussichtsreich.

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