Es wäre gelogen, wenn ich nicht manchmal darüber nachdenke: alle Aktien verkaufen. Einfach in einen ETF auf den S&P 500 investieren. Das Leben wäre wohl einfacher. Aber auch langweiliger.
Trotzdem sagt selbst Warren Buffett, dass für die meisten Investoren ein ETF auf den S&P 500 die beste Option ist. Das hängt nicht nur mit seiner Liebe zu Amerika zusammen. Sondern vor allem auch damit, dass er von der langfristigen Wertschöpfung der USA als Innovationsgeber überzeugt ist. Diese Aussage ist besonders vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass Buffett selbst mit Berkshire Hathaway eine Art US-ETF-Light betrieb. Weniger diversifiziert. Aber mit mehr Qualität.
Warum ich trotzdem nicht alle Aktien verkaufe und einfach in einen ETF auf den S&P 500 investiere? Das verrate ich dir gerne. Die folgenden drei Gründe sind für mich besonders relevant.
Aktien verkaufen, ETF auf den S&P 500? Ich würde kaum passives Einkommen erzielen
Der erste Grund, warum ich nicht alle meine Aktien veräußere und einen ETF auf den S&P 500 kaufe, hängt mit meinen persönlichen Zielen zusammen. Die Dividende geht natürlich nicht über alles. Aber sie ist mir viel wert. Irgendwann werde ich die Mittelzuflüsse benötigen. Für mich. Meine Familie. Meinen Ruhestand. So etwas in der Richtung.
Ein ETF auf den S&P 500 kann mir hier nur geringfügig helfen. Die Dividendenrendite des US-amerikanischen Index beträgt gerade einmal 1 %. Das ist wenig. Aber passiven Investoren geht es eher um die Gesamtrendite, nicht primär um die Dividendenrendite. Natürlich wären auch andere Optionen denkbar. So beispielsweise, dass man pro Jahr 3 % seiner ETF-Anteile verkauft und damit ein Einkommen generiert. Mir gefällt hier aber eher der Gedanke, dass ich meinen Kapitalstock grundsätzlich erhalte, keine Wertpapiere verkaufe und das Grundvermögen bestehen bleibt.
All diese Gedanken zeigen dir: Meine Aktien treffen eher meine persönlichen Präferenzen. Mit einem ETF kann ich das wiederum nicht erreichen. Das ist der erste Grund, warum ich nicht einfach passiv den S&P 500 tracke.
Ich kann nicht ausweichen, wenn ich passiv bin!
Der zweite Grund, warum ich den ETF auf den S&P 500 nicht gegenüber einzelnen Aktien präferiere, liegt in den Steuerungsmöglichkeiten. Wenn du drei, vier Artikel oder meine jüngeren Bilanz-Ziehen-Ausgaben gelesen hast, dürfte dir eines klar sein: Ich halte den Aktienmarkt für teuer. Das Shiller-KGV ist bei über 40. Der Warren-Buffett-Indikator bei über 200. Dieses Bewertungsniveau signalisiert die Gefahr, die auch in den Hochphasen der Dotcom-Blase herrschte.
Mit einem ETF auf den S&P 500 bin ich dem Risiko voll und ganz ausgesetzt. Es gibt keine Gestaltungsmöglichkeiten. Kein Ausweichen. Nix. Wir haben die Auswahl, die der Index vorgibt. Das bedeutet im Moment besonders die Mag 7 sowie die KI-Highflyer, die in den vergangenen Jahren massive Werte geschaffen haben. Aber inzwischen auch ambitioniert bewertet sind, wachsen und Margen besäßen, als gäbe es in jeder Zukunft keine Konkurrenz.
Mit meinen einzelnen Aktien kann ich diesen Risiken ausweichen. Moderat bewertete REITs kaufen. Im dividendenstarken und eher günstigen Lebensmittelsegment investieren. Eben mehr Value und eine Sicherheitsmarge in mein Depot einkehren lassen. Damit geht es mir im Moment besser, als mit einem ETF auf den S&P 500. Das bedeutet, dass ich meine Risiken bewusst steuern möchte.
Auch neben Aktien: Ein ETF auf den S&P 500 ist trotzdem möglich!
All das klingt so, als hätte ich nur Aktien und keinen ETF auf den S&P 500. Das ist eher die halbe Wahrheit. Denn auch wenn ich die Lanze für eine selektive Aktienauswahl für mich breche, bin ich trotzdem überzeugt, dass die US-Auswahl attraktiv ist. Ich habe sie sogar im Depot. Denn das eine schließt das andere ja nicht aus.
Tatsächlich werde ich sogar, wenn der Aktienmarkt mal wieder deutlich günstiger ist, meine ETF-Position bedeutend ausbauen. Aber gerade wenn der Aktienmarkt teuer ist, bevorzuge ich einzelne Aktien für mehr Gestaltungsspielraum. Außerdem brauche ich in Summe eine Strategie, die mir mehr Mittelrückflüsse bietet. Deshalb bleiben einzelne Aktien für mich eher das Mittel der Wahl.
Der Artikel „Sollte ich alle Aktien verkaufen und einfach in einen ETF auf den S&P 500 investieren?“ ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.