Zoom Communications treibt seine strategische Neuausrichtung konsequent voran. Während viele Investoren Zoom noch immer vor allem als Videokonmunikationsanbieter wahrnehmen, entwickelt sich der Konzern zunehmend zu einer umfassenden KI-Plattform für die moderne Arbeitswelt.

KI dürfte den Bedarf an Zusammenarbeit eher erhöhen

Immer wieder wird argumentiert, Künstliche Intelligenz werde klassische Besprechungen weitgehend überflüssig machen. Diese Einschätzung erscheint jedoch zu kurz gegriffen. Zwar übernimmt KI zunehmend Routine- und Kreativaufgaben, gleichzeitig entstehen aber neue Anforderungen an Kontrolle, Qualitätssicherung und Entscheidungen, die weiterhin menschliches Eingreifen erfordern.

Gerade deshalb könnte der Einsatz von KI langfristig sogar zu mehr Abstimmungen führen. Führungskräfte gewinnen zwar Zeit durch automatisierte Prozesse, müssen die Ergebnisse jedoch bewerten, korrigieren und strategisch einordnen. Laut dem Microsoft Work Trend Index 2025 ziehen bereits 28 Prozent der Führungskräfte den Einsatz eines KI-gestützten Arbeitsplatzmanagers in Betracht. Ziel ist nicht der Ersatz von Managern, sondern die Entlastung von administrativen Aufgaben, damit mehr Zeit für Tätigkeiten mit menschlicher Expertise bleibt.

Menschliche Kontrolle bleibt unverzichtbar

Künstliche Intelligenz arbeitet nicht autonom. Die Systeme liefern zwar effizient Ergebnisse, benötigen aber weiterhin Überwachung und Qualitätskontrolle. Unternehmen setzen deshalb verstärkt auf Mitarbeiter mit Kompetenzen wie Zusammenarbeit, Entscheidungsfähigkeit und Qualitätssicherung. Diese Fähigkeiten gewinnen im Zusammenspiel mit anderen Beschäftigten sogar an Bedeutung, weshalb regelmäßige Abstimmungen auch künftig ein zentraler Bestandteil des Arbeitsalltags bleiben dürften.

Übrigens: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

Zoom baut sein KI-Angebot konsequent aus

Die Unternehmensführung verfolgt eine klare Strategie und integriert KI zunehmend in das gesamte Produktportfolio. Während der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals des Geschäftsjahres 2027 bezeichnete Gründer und CEO Eric Yuan Zoom mehrfach als KI-orientiertes Unternehmen.

Im ersten Quartal entfielen 15 der 20 größten Neuabschlüsse auf Kunden, die sich für Zoom Workplace oder Zoom Phone entschieden. Ausschlaggebend seien sichere KI-gestützte Kommunikationslösungen, die Produktivität steigern, Prozesse vereinfachen und Gespräche direkt in konkrete Arbeitsabläufe überführen.

Die KI-Funktionen werden inzwischen unter anderem in Team Chat, Zoom Docs, Zoom Phone, Zoom Meetings sowie Zoom Workplace integriert. Damit widerspricht die Unternehmensstrategie der Annahme, KI könnte das Geschäftsmodell von Zoom verdrängen. Stattdessen soll die Technologie zum zentralen Bestandteil sämtlicher Produkte werden.

Vom Videokonferenzanbieter zur KI-Plattform

Die umfangreichen Investitionen verdeutlichen das langfristige Ziel des Managements. Zoom möchte sich als zentrale Plattform für KI-gestützte Zusammenarbeit etablieren. Während der Kapitalmarkt das Unternehmen vielfach noch als klassischen Anbieter für Videokonferenzen bewertet, arbeitet der Konzern längst an einer deutlich breiteren Positionierung.

Bereits heute nutzt Zoom KI verstärkt im Kundenservice und erweitert kontinuierlich die Funktionen seiner Workplace-Plattform. Die Unternehmensführung setzt konsequent auf diesen Kurs und schafft damit die Grundlage für eine neue Wachstumsphase.

Geschäftszahlen sprechen für die Strategie

Die Ergebnisse des ersten Quartals 2027 liefern mehrere Hinweise darauf, dass die strategische Ausrichtung bereits Wirkung zeigt.

Der Umsatz stieg auf rund 1,24 Milliarden US-Dollar und lag damit 5,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig übertraf Zoom die eigene Prognose um rund 14 Millionen US-Dollar. Besonders erfreulich entwickelte sich das Enterprise-Geschäft, dessen Erlöse um 7,2 Prozent zulegten. Großkunden tragen inzwischen 61 Prozent zum Gesamtumsatz bei und bleiben damit der wichtigste Wachstumsmotor.

Auch die Profitabilität verbesserte sich deutlich. Die Non-GAAP-Bruttomarge erreichte 79,9 Prozent und lag damit 70 Basispunkte über dem Vorjahresniveau. Die operative Marge stieg auf 41,1 Prozent, während das bereinigte Ergebnis je Aktie mit 1,55 US-Dollar die Unternehmensprognose um 0,13 US-Dollar übertraf. Bemerkenswert ist dabei, dass Zoom trotz hoher Investitionen in KI gleichzeitig seine Margen weiter steigern konnte.

Zusätzliche Impulse kamen von internationalen Märkten und großen Unternehmenskunden. Die Zahl der Kunden mit einem Jahresumsatz von mindestens 100.000 US-Dollar erhöhte sich um acht Prozent. Diese Kundengruppe erwirtschaftet inzwischen rund ein Drittel des Konzernumsatzes. Regional verzeichnete der Asien-Pazifik-Raum ein Wachstum von sechs Prozent, während Nord- und Südamerika sowie Europa, der Nahe Osten und Afrika jeweils um fünf Prozent zulegten.

Bewertung erscheint weiterhin moderat

Neben den operativen Fortschritten spricht auch die Bewertung für Zoom. Nach Einschätzung vieler Marktteilnehmer wird das Unternehmen noch immer überwiegend als ehemaliger Pandemiegewinner bewertet, obwohl sich das Geschäftsmodell deutlich verändert hat.

Im Vergleich mit Wettbewerbern wie Microsoft, Cisco Systems, RingCentral, Five9 und 8×8 bewegt sich Zoom sowohl beim erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis als auch beim Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz im Mittelfeld. Angesichts der hohen Profitabilität und der laufenden Transformation erscheint diese Bewertung keineswegs überzogen.

Auch bei der operativen Marge liegt Zoom auf Augenhöhe mit vergleichbaren Unternehmen, wird an der Börse jedoch weiterhin zurückhaltender bewertet. Sollte die Wachstumsstrategie aufgehen, könnte darin weiteres Aufwärtspotenzial liegen.

Diese Risiken bleiben

Trotz der positiven Entwicklung gibt es mehrere Unsicherheiten. So ist bislang nicht gesichert, dass sich die KI-Strategie in gleichem Maße monetarisieren lässt wie vom Management erhofft. Viele KI-Funktionen sind bereits Bestandteil bestehender Abonnements und erzeugen daher nicht zwangsläufig zusätzliche Erlöse.

Ein weiterer Risikofaktor bleibt der Wettbewerbsdruck durch Microsoft. Der Konzern könnte Microsoft Teams noch stärker mit Microsoft-365-Lizenzen bündeln und damit den Preisdruck auf Zoom erhöhen.

Darüber hinaus setzt die aktuelle Bewertung voraus, dass sich das Umsatzwachstum weiter beschleunigt. Bleiben entsprechende Fortschritte aus, dürfte auch das Kurspotenzial begrenzt sein.

Zoom arbeitet konsequent daran, sich vom klassischen Anbieter für Videokonferenzen zu einer umfassenden KI-Plattform für digitale Zusammenarbeit zu entwickeln. Die Kombination aus steigenden Umsätzen, hohen Margen und einer klaren strategischen Ausrichtung spricht dafür, dass diese Transformation zunehmend Früchte trägt. Die Aktie bietet auf dem aktuellen Bewertungsniveau weiteres Potenzial.

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ℹ Zoom in Kürze

  • Zoom Video Communications ist ein US-Unternehmen mit Sitz im kalifornischen San José, das Software für Videokonferenzen anbietet.
  • Die 2011 gegründete Firma erlebte im Zuge der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 ihren weltweiten Durchbruch.
  • Zoom ist im US-Technologieindex Nasdaq gelistet und hat aktuell einen Börsenwert von rund 25 Milliarden US$.

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