easyJet

Die Aktien von easyJet stiegen am Montag um rund 10 % auf ein Vierjahreshoch, nachdem die Airline grundsätzlich zugestimmt hatte, ein Übernahmeangebot von £5.5 Milliarden ($7.3 billion) des US-Investmentunternehmens Castlelake anzunehmen. Damit könnte einer der größten Deals im europäischen Luftfahrtsektor in diesem Jahr möglich werden.

Die Billigfluggesellschaft erklärte am Sonntag, sie sei bereit, Castlelakes überarbeitetes Angebot von £6.90 je Aktie nach wochenlangen Verhandlungen und mehreren abgelehnten Geboten anzunehmen.

Die Unternehmen haben um eine Fristverlängerung für den formellen Abschluss der Transaktion gebeten.

Das vorgeschlagene Angebot bewertet das Eigenkapital von easyJet mit £5.23 Milliarden und steigt auf £5.52 Milliarden auf voll verwässerter Basis; es entspricht einer Prämie von 24 % gegenüber dem Schlusskurs der Aktie am Freitag.

Castlelake hat nun bis zum 3. Aug. Zeit, ein verbindliches Angebot zu unterbreiten oder vom Deal zurückzutreten.

Verbessertes Angebot beendet wochenlange Verhandlungen

Castlelake, ein in Minneapolis ansässiges Investmentunternehmen, das etwa $37 billion an Vermögenswerten verwaltet, hat sein Angebot nach anfänglicher Ablehnung durch easyJet schrittweise erhöht.

Die Firma hatte die Airline zunächst mit einem Gebot von £5.60 je Aktie angesprochen, bevor sie auf £6.50 erhöhte – ein Angebot, das easyJet vor etwa zehn Tagen als deutlich unterbewertet ablehnte.

Der jüngste Vorschlag stellt eine signifikante Verbesserung dar und könnte die langwierigen Verhandlungen zum Abschluss bringen.

easyJet betreibt mehr als 350 Flugzeuge auf über 1.200 Strecken in 37 Ländern und ist damit einer der größten Low-Cost-Carrier Europas.

Die Transaktion würde zudem dem Gründer Stelios Haji‑Ioannou einen erheblichen Geldzufluss bringen; seine Familie hält weiterhin mehr als 15 % der Airline.

Würde der Deal zustande kommen, könnte er für den Gründer und seine Familie nahezu £800 Millionen wert sein.

Druck in der Luftfahrt schafft Kaufgelegenheit

Das vorgeschlagene Übernahmeangebot kommt in einer schwierigen Phase für die Branche.

Airlines kämpfen mit deutlich höheren Treibstoffkosten und Margendruck infolge des Konflikts mit Iran; zugleich hat die schwächere Verbraucherstimmung die Nachfrageprognosen belastet.

Diese Sorgen hatten die Aktien von easyJet Anfang des Jahres belastet, bevor Castlelake sein Interesse an einer Übernahme bekanntgab.

Seitdem ist der Kurs um mehr als 40 % gestiegen und hat Verluste aufgeholt, die nach Spannungen im Nahen Osten aufgetreten waren und die Aktien der Airlines erschütterten.

Die Aktien von easyJet liegen in diesem Jahr rund 20 % im Plus.

Susannah Streeter, Chief Investment Strategist bei Wealth Club, sagte, die jüngste Schwäche habe eine attraktive Gelegenheit für den Private-Equity-Investor geschaffen.

Sie erklärte, easyJet habe in den vergangenen Monaten angesichts geopolitischer Spannungen und gedämpfter Verbraucherstimmung eine schwierige Phase durchlebt, was die Bewertung gedrückt habe, trotz der soliden Bilanz, der modernen Flotte und des wachsenden Feriengeschäfts der Airline.

Castlelake, das über umfangreiche Erfahrung im Flugzeugleasing und in der Luftfahrtfinanzierung verfügt, scheint zu glauben, dass der Markt diese langfristigen Vermögenswerte unterbewertet hat.

Regulatorische Fragen bleiben offen

Trotz der grundsätzlichen Einigung warnten Analysten, dass vor dem Abschluss der Transaktion noch erhebliche Hürden zu überwinden seien.

Analysten von JPMorgan stellten in Frage, wie Castlelake und easyJet die EU-Eigentumsregeln für Airlines erfüllen und gleichzeitig eine akzeptable Governance-Struktur etablieren wollen.

Die Ansichten des Gründers Stelios Haji‑Ioannou könnten angesichts seiner erheblichen Beteiligung ebenfalls maßgeblich sein.

easyJet erklärte, Castlelake habe sich verpflichtet, mit „best endeavours“ alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen und Freigaben zu sichern.

Wie Private‑Equity‑Eigentum die Airline‑Branche verändern könnte

Sollte die Übernahme zustande kommen, erwarten Analysten, dass privates Eigentum die strategische Ausrichtung von easyJet verändern würde.

Außerhalb der Beobachtung durch die öffentlichen Märkte könnte das Management größere Flexibilität erhalten, in langfristiges Wachstum zu investieren.

Gleichzeitig konzentrieren sich Private‑Equity‑Firmen typischerweise stark auf Effizienzsteigerungen, Kostensenkungen und Renditeverbesserungen, was zu Veränderungen bei Personal, Beschaffung und operativen Ausgaben führen könnte.

Einige Analysten haben außerdem angeregt, dass Castlelake zusätzlichen Wert aus easyJet schöpfen könnte, indem es die Flotte mit dem Flugzeugleasing‑Geschäft des Unternehmens kombiniert oder später die Ferien‑Sparte der Airline als eigenständiges Unternehmen ausgliedert.

Das vorgeschlagene Übernahmeangebot verstärkt zudem die wachsende Sorge, dass ausländische Käufer gezielt britische börsennotierte Unternehmen ins Visier nehmen, während der Londoner Markt Unternehmen an Private Equity und internationale Käufer verliert.

Castlelake verfügt bereits über Erfahrung mit Investitionen in Fluggesellschaften: In der Vergangenheit erwarb die Firma durch eine Schuldenrestrukturierung Anteile an der skandinavischen Airline SAS.

Diese Beteiligung wird derzeit an Air France‑KLM veräußert.

The post easyJet-Aktien steigen nach grundsätzlicher Zustimmung zur $7.3 Mrd.-Übernahme durch Castlelake appeared first on Invezz