Der DAX hat den Sprung auf ein neues Rekordhoch geschafft. In der abgelaufenen Handelswoche legte das größte deutsche Börsenbarometer unter dem Strich mehr als 1.000 Punkte zu und schloss +4,64% höher mit 25.815 Punkten. Die höchsten Gewinne verzeichneten die Papiere von Adidas und Symrise, SAP war schwächster DAX-Wert. Geht es in der neuen Woche weiter nach oben?

Erst zögerlich, dann der Ausbruch

Nach einem verhaltenen Wochenstart zog der Markt am Dienstag wieder kräftig an – getrieben von besser als erwarteten Inflationszahlen und guten Vorgaben aus New York. Zur Mitte der Woche gönnten sich Anleger eine Verschnaufpause, ehe am Donnerstag der Ausbruch auf ein neues Allzeithoch gelang. Grund war ein schwächer als befürchteter Arbeitsmarktbericht in den USA. Am Freitag ging es weiter aufwärts.

Rekordhoch dank Zinshoffnung und Reformfantasie

Mit einem neuen Rekordhoch hat der DAX ein starkes Signal zum Start in das zweite Börsenhalbjahr gesetzt. Nach monatelanger Zurückhaltung gegenüber den internationalen Leitindizes hat der deutsche Aktienmarkt plötzlich das Kommando übernommen.

Für Rückenwind sorgen vor allem schwächere US-Arbeitsmarktdaten, die Hoffnungen auf Zinssenkungen der US-Notenbank neu entfacht haben. Gestützt wird das Zins-Narrativ durch Aussagen des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh, wonach die Inflationserwartungen zuletzt gesunken seien und die Inflationsrisiken abgenommen hätten.

Gleichzeitig sorgen fallende Ölpreise für Entspannung, während das beschlossene Reformpaket der Bundesregierung internationalen Investoren einen zusätzlichen Anreiz bietet, ihre bislang vergleichsweise geringe Gewichtung deutscher Aktien wieder auszubauen.

Dennoch mahnen viele Strategen zur Vorsicht. Nach dem steilen Anstieg gilt der DAX kurzfristig als technisch überkauft. Eine Konsolidierung oder ein Rücksetzer in Richtung der bisherigen Rekordmarke wäre daher keine Überraschung und könnte die Basis für eine nachhaltigere Aufwärtsbewegung legen.

Diese Termine rücken jetzt in den Fokus

Makroökonomisch bleibt der Kalender zwar vergleichsweise überschaubar, dennoch könnten einige Daten neue Impulse liefern. Besonders im Blick steht zu Wochenbeginn der ISM-Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor. Nachdem der Arbeitsmarktsbericht den Druck für weitere Zinserhöhungen gedämpft hat, dürfte nun jede neue Konjunkturzahl daraufhin analysiert werden, ob sie eine geldpolitische Lockerung der US-Notenbank wahrscheinlicher macht.

Auch die geopolitische Lage bleibt im Fokus. Die Märkte hoffen weiterhin darauf, dass die Spannungen im Nahen Osten nicht erneut hochkochen. Solange der Ölpreis niedrig bleibt und keine neuen Eskalationen auftreten, dürfte dieser Belastungsfaktor aber vorerst in den Hintergrund treten.

Auf Unternehmensseite verläuft die Woche dagegen noch vergleichsweise ruhig. Zahlreiche Hauptversammlungen stehen auf der Agenda, bevor ab Mitte Juli traditionell die US-Großbanken die Berichtssaison eröffnen. Dann wird sich zeigen, ob die hohen Gewinnerwartungen der Investoren erneut erfüllt werden können.

Zwischen Optimismus und Vorsicht

An den Börsen ist derzeit ein gewisser Stimmungswechsel festzustellen. Während KI-Aktien aufgrund von Gewinnmitnahmen zuletzt deutlicher unter Druck gerieten, rückten klassische Industrie- und Standardwerte wieder stärker in den Fokus. Gerade davon profitiert der DAX mit seiner vergleichsweise geringen Gewichtung großer Technologiekonzerne.

Von einer echten KI-Blase wollen viele Marktbeobachter dennoch nicht sprechen. Zwar seien Überinvestitionen im Zuge einer technologischen Revolution keineswegs ungewöhnlich, eine flächendeckende Überbewertung des Technologiesektors lasse sich derzeit aber kaum erkennen. Kritischer wird dagegen die Bewertung vieler Standardwerte gesehen, die künftig steigende Unternehmensgewinne liefern müssen, um das aktuelle Kursniveau zu rechtfertigen.

Rheinmetall und Bayer ziehen an, Heidelberg Materials unter Druck

Hierzulande waren die Papiere von Rheinmetall und Bayer die Top-Performer mit Kurszuwächsen von +15,51 bzw. +13,53%. Rheinmetall erholte sich vom jüngsten Kurseinbruch und profitierte dabei auch von einer deutlich überverkauften Marktsituation.

Die Bayer-Aktie setzte ihre jüngste Kursrallye fort und zehrt weiter von einem Urteil des US Supreme Court im Glyphosat-Prozess. Hinzu kommen zahlreiche Kaufempfehlungen und die Meldung der Leverkusener, das US-Glyphosat-Geschäft zu bündeln.

Heidelberg Materials rutschte mit einem Wochenverlust von -4,67% ans DAX-Ende. Die Aktie litt unter der allgemeinen Sektorschwäche und unter einem schwachen Ausblick sowie der Senkung von Umsatzprognosen durch Analysten.

Mit viel Schwung ins 2. Halbjahr

Der DAX ist mit viel Schwung ins zweite Halbjahr gestartet, nachdem bereits der letzte Tag im Juni deutliche Gewinne mit sich brachte. Noch am Montag war es zu einem weiteren Test der 50-Tage-Linie gekommen. Von hier aus drückte sich der Index aber nach oben ab und überwand tags darauf die 20-Tage-Linie.

Am Donnerstag brach der Leitindex mit einer dynamischen Tages-Candle über den Widerstandsbereich bei 25.405/25.507 Punkte aus und schaffte den Sprung auf ein neues Rekordhoch. Hierdurch erfuhr der seit März bestehende Aufwärtstrend eine weitere Bestätigung.

Auf der Oberseite rückt nun die 26.000-Punkte-Marke als nächstes Kursziel in den Fokus. Kommt es zu einer Gegenbewegung, ist aber auch ein Pullback zu den vorherigen Hochs möglich. Auf diese Weise könnte der Ausbruch nochmals bestätigt werden.

Die Rahmenbedingungen für den Aktienmarkt haben sich zuletzt deutlich aufgehellt. Zinshoffnungen, sinkende Energiepreise und politische Reformimpulse sorgen für Rückenwind. Nun wird die Berichtssaison zum nächsten großes Belastungstest.

Kurzfristig erscheint im DAX eine Konsolidierung nach dem Rekordlauf durchaus möglich. Solange die Konjunkturdaten nicht enttäuschen und geopolitische Risiken unter Kontrolle bleiben, sprechen die Vorzeichen jedoch dafür, dass Rücksetzer eher Kaufgelegenheiten als den Beginn einer größeren Trendwende darstellen.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

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