Die Lucid-Aktie kommt nicht mehr aus dem Tal der Tränen heraus. Innerhalb der letzten zwölf Monate haben sich über -70% des Börsenwertes des amerikanischen Elektroauto-Startups in Luft aufgelöst. Zeichnet sich langsam ein „Game over“ für Lucid ab oder können Anleger noch ein wenig Hoffnung haben?

Kein Anlass zur Hoffnung beim Absatz

Die gestern Abend vorgestellten Absatzzahlen für das zweite Quartal geben wenig Anlass zur Hoffnung. Lucid hat im Zeitraum von April bis Juni weltweit 4.774 Fahrzeuge produziert und 3.953 Fahrzeuge ausgeliefert. Damit verfehlte der Autobauer deutlich den Konsens der Analysten, die im Schnitt mit 4.618 Fahrzeugauslieferungen gerechnet hatten.

Dass über 800 fertig produzierte Fahrzeuge nicht rechtzeitig an die Kunden übergeben werden konnten, unterstreicht laut Branchenkennern logistische Ineffizienzen und anhaltende Lieferkettenprobleme. Erst im Mai hatte Lucid seine Produktionsprognose für das Gesamtjahr komplett ausgesetzt. Zudem läuft der Umbau der Lieferkette wegen akuter Halbleiter- und Aluminiumknappheit schleppend.

Massiver Management- und Personalabbau

Um die akuten Probleme in den Griff zu kriegen, kommt es nun zu einem radikalen Umbau der Führungsebene. Der erst vor rund einem Monat angetretene neue CEO Silvio Napoli zieht drastische Konsequenzen und krempelt nicht nur das Management komplett um, sondern halbiert gleich die Anzahl der Manager, die direkt an ihn berichten.

Einen Wechsel wird es auf der CFO-Position geben. Der bisherige Finanzchef Taoufiq Boussaid fliegt raus. Neuer CFO wird der Automobilfinanzveteran Alexander De Bock, der für extrem strenge Restrukturierungen und harte Kostendisziplin bekannt ist.

Neuer Technologiechef wird Raja Ramana Macha, der zuvor beim Energie- und Industriegiganten Eaton tätig war. Er übernimmt ab sofort die globale Technologiestrategie und die operative Verantwortung für das Engineering.

Die personelle Restrukturierung betrifft nicht nur die Chefetage. Um Geld zu sparen, hat das Management erst vor wenigen Tagen eine Entlassungswelle für rund 18% der US-Belegschaft eingeleitet.

Du willst keine Entwicklung bei Lucid und der Autoindustrie verpassen? Dann abonniere einfach unseren kostenlosen SD Insider Newsletter!

Eine neue Einheit

Lucid gründet zudem eine eigenständige Geschäftseinheit namens Lucid Technologies. Geleitet wird diese vom neuen Chief Digital Officer Kay Stepper (ehemals Bosch und Qualcomm). Diese Sparte soll sich separat um strategische Partnerschaften in den Bereichen Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und Robotaxis kümmern.

Zu diesem Zweck hat Lucid eine Allianz mit Uber und Nuro geschlossen. Ziel ist es, ab dem Jahr 2027 einen autonomen Robotaxidienst in Houston an den Start zu bringen. Die Technologie hierfür wird nun in der neuen Einheit gebündelt.

Der Boden wird nicht halten

Die Lucid-Aktie konnte zuletzt ihren dramatischen Kurssturz beenden und hat bei knapp über 5 US$ einen Boden ausgebildet. Eine deutlich Erholungsbewegung zeichnet sich allerdings noch nicht ab. Ich fürchte, dass dieser Boden nicht halten wird.

Kein Überleben in diesem Haifischbecken

Wie schon seit vielen Jahren kann ich Anleger nur vor einem Investment in die Lucid-Aktie warnen. Das Unternehmen ist meiner Einschätzung nach seit langem ein totes Pferd. Und von toten Pferden soll man auch an der Börse bekanntlich absteigen.

Die beiden Oberklassemodelle des US-Startups bringen zweifellos ein sehr schickes Design mit und gehören zu den technologisch führenden Autos mit Elektroantrieb. Aber das reicht heutzutage einfach nicht für Erfolg.

Der Wettbewerb in der Oberklasse hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschärft — Audi, BMW und Mercedes können ein Lied davon singen. Wie sich Lucid in diesem Haifischbecken gegen die anderen, viel größeren Haie durchsetzen will, ist mir ein vollkommenes Rätsel.

Der Autobauer ist mit einem Jahresabsatz von 20.000 bis 25.000 Fahrzeugen viel zu klein, um irgendwelche nennenswerten Skaleneffekte zu erzielen. Das bedeutet, dass Lucid voll und ganz auf die Bereitschaft von Autokäufern angewiesen ist, für die Premiummodelle auch einen ordentlich Aufpreis zu bezahlen. Das sehe ich ehrlich gesagt nicht.

Lucid ist ein Newcomer in der Autobranche. Um genauer zu sein, ein Latecomer, der überhaupt keine Kundenbasis besitzt. Das wird die Umsetzung dieser Premiumstrategie meiner Meinung nach unglaublich schwer machen.

Der massive Kahlschlag im Management und in der Mitarbeiterschaft ist das Eingeständnis, dass Lucid bei den Kosten eine Vollbremsung hinlegen muss, um sich noch über Wasser zu halten. Ich sehe derzeit trotzdem keine Chance für den Elektroautobauer, in naher Zukunft Gewinne zu erwirtschaften.

Abschließend: Aktien, an die wir bei sharedeals im Gegensatz zu Lucid glauben, findest Du in unseren Top-Picks 2026.

Anleger sind gut beraten, die Finger von der Lucid-Aktie zu lassen. Sie war, ist und bleibt ein Verlierertitel. Die Voraussetzungen für einen Turnaround sind meiner Ansicht nach nicht gegeben. Das „Game over“ ist für mich nur eine Frage der Zeit.

ℹ Lucid in Kürze

  • Lucid Motors (WKN: A3CVXG) ist ein US-amerikanischer Hersteller von Luxus-Elektroautos.
  • Das 2007 gegründete Unternehmen mit Sitz in Newark in Kalifornien produziert derzeit zwei hochpreisige Automodelle: die Limousine Air und das SUV Gravity.
  • Finanziell und strategisch wird das Unternehmen von Saudi-Arabien unterstützt, wo derzeit eine Autofabrik in Bau ist.
  • Lucid ist derzeit noch Mitglied im Nasdaq 100-Index und hat einen Börsenwert von etwa 2,4 Milliarden US$.

The post Lucid-Aktie: Endgültig Game over? first appeared on sharedeals.de.