Wenn man an Campbell’s (WKN: 850561) denkt, hat man meistens sofort die berühmte Dosensuppe vor Augen. Ihr Design diente einem der größten Pop-Art-Künstler seiner Zeit als Inspiration.
Für mich war die Aktie jedenfalls über Jahrzehnte weit mehr als ein Lebensmittelwert. Sie war eine verlässliche Dividendenmaschine und schien in jeder Krise Stabilität zu geben.
Über 50 Jahre lang Ausschüttungen zu tätigen, ist eine Seltenheit an der Börse. Doch ausgerechnet jetzt wächst die Sorge, dass diese Erfolgsgeschichte an ihre Grenzen stößt.
Die Campbell’s-Aktie ist in den vergangenen Monaten massiv unter Druck geraten. Das Papier notiert nahe mehrjähriger Tiefstände, während Investoren zunehmend an der Zukunftsfähigkeit des Konzerns zweifeln.
Handelt es sich lediglich um eine vorübergehende Schwächephase oder ist dies der Beginn eines langfristigen Niedergangs? Ein kurzer Blick auf das Geschäftsmodell gibt Aufschluss.
Wenn selbst die Suppe nicht mehr wärmt
Die heutige The Campbell Soup Company ist schon lange kein reiner Suppenhersteller mehr. Zum Konzern gehören bekannte Marken wie Goldfish, Pepperidge Farm, Prego, Rao’s und V8. Mit dem Namenswechsel von Campbell Soup zu Campbell’s wollte das Management diese breitere Aufstellung unterstreichen.
Doch ein Problem bleibt: Das Snackgeschäft schwächelt und auch der Absatz von Suppen sinkt – organisch auf Konzernebene um -4 %. Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit greifen Verbraucher häufiger zu den günstigeren Eigenmarken der Supermärkte.
Gleichzeitig belasten Inflation, höhere Logistikkosten und intensiver Wettbewerb die Margen. Der Boom von Abnehmspritzen ist ebenfalls am schwachen Heißhunger abzulesen.
Hohe Schulden lasten auf dem Unternehmen. Besonders kritisch ist dabei die Kapitalallokation.
Die Strategie konzentriert sich nun auf Kostensenkungen und den Schuldenabbau. Aktienrückkäufe wurden gestoppt und Dividendenerhöhungen vorerst auf Eis gelegt.
Das bedeutet jetzt zwar nicht das Ende der Dividende, signalisiert aber, dass die finanzielle Flexibilität geringer geworden ist. Ohne profitables Wachstum wird sich in Zukunft aber wenig ändern.
Die große Bewährungsprobe für Campbell
Ganz abgeschrieben werden sollte Campbell’s dennoch nicht. Das Suppen- und Snack-Imperium verfügt weiterhin über starke Marken, erzielt Milliardenumsätze und arbeitet an einem umfassenden Sparprogramm.
Bis 2028 sollen 375 Mio. US-Dollar an Kosten eingespart werden, 50 % mehr als bisher geplant. Die Nachfrage nach günstigen Fertiggerichten dürfte dabei grundsätzlich stabil bleiben.
Ob die Aktie aber wieder zu alter Stärke zurückfindet, hängt am Ende vor allem davon ab, ob das Snack- und Suppengeschäft stabilisiert werden kann. Gelingt dies, könnte die derzeitige Bewertung (11er-KGV) langfristig Chancen bieten. Scheitert die Strategie jedoch, dürfte die Diskussion über die Zukunft der legendären Dividende lauter werden.
Für Anleger bleibt Campbell’s damit ein ungewöhnlicher Fall: eine traditionsreiche Ausschüttungsaktie zwischen Turnaround-Hoffnung und schleichendem Bedeutungsverlust.
Der Artikel Diese Aktie schüttet seit 50 Jahren aus – doch jetzt droht das bittere Ende! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.