SpaceX hat am Mittwoch endlich seinen lange erwarteten Börsprospekt veröffentlicht und damit eine intensive Durchleuchtung an der Wall Street ausgelöst, während Investoren eilig die Finanzen, Ambitionen und Risiken des weit verzweigten Raumfahrt- und KI-Imperiums von Elon Musk bewerteten.

Das Unternehmen, offiziell registriert als Space Exploration Technologies Corp., gab in seiner S-1-Einreichung bei der US Securities and Exchange Commission bekannt, dass es plant, seine Class A Stammaktien an der Nasdaq und Nasdaq Texas unter dem Tickersymbol SPCX zu listen.

Das Angebot wird von Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America angeführt, flankiert von einem Syndikat von mehr als 20 Underwritern.

Das Prospekt wurde sofort zu einem der meistanalysierten Unternehmensdokumente der letzten Jahre und zeigte nicht nur das finanzielle Profil des weltweit wertvollsten privaten Unternehmens, sondern auch, in welchem Ausmaß Musks Firmen inzwischen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Transport, Kommunikation und Infrastruktur miteinander verknüpft sind.

Es wird allgemein erwartet, dass der Börsengang zu den größten jemals versuchten öffentlichen Angeboten zählen wird; Berichte deuten darauf hin, dass SpaceX eine Bewertung in der Nähe von 1,8 Billionen USD (ca. 1,5 Billionen €) anstreben könnte.

Musk sichert Kontrolle durch Stimmrechtsstruktur

Eine der klarsten Erkenntnisse aus dem Prospekt war, dass der Gang an die Börse wenig daran ändern wird, wie viel Autorität Musk über SpaceX behält.

Das Unternehmen hat eine Dual‑Class‑Aktienstruktur eingeführt, bei der öffentlich gehandelte Class‑A‑Aktien jeweils eine Stimme tragen, während Class‑B‑Aktien, die weitgehend von Musk kontrolliert werden, 10 Stimmen pro Aktie haben.

Das Prospekt legte außerdem offen, dass Class‑B‑Aktionäre das Recht behalten, eine Mehrheit des Vorstands zu wählen, unabhängig von den Gesamtabstimmungsergebnissen der Aktionäre.

SpaceX erklärte ausdrücklich, dass es beabsichtigt, sich nach den Nasdaq‑Regeln als „controlled company“ zu qualifizieren, was Ausnahmen von bestimmten Corporate‑Governance‑Anforderungen erlaubt, die für andere gelistete Unternehmen gelten.

Die Struktur stellt sicher, dass Musk auch nach dem Eintritt öffentlicher Investoren in die Aktionärsbasis maßgeblichen Einfluss auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens behält.

Dieses Governance‑Modell ist bei technologiegeführten, von Gründern geführten Unternehmen zunehmend verbreitet, obwohl Kritiker argumentieren, dass Minderheitsaktionäre so nur begrenzte Möglichkeiten haben, Managemententscheidungen anzufechten.

Eine Missionserklärung rund um die Zukunft der Menschheit

Das Prospekt unterstrich auch das außergewöhnliche Ausmaß von SpaceX’ Ambitionen.

Im Prospekt beschreibt das Unternehmen seine Mission so, dass es „die Systeme und Technologien bauen will, die notwendig sind, um das Leben multiplanetar zu machen, die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins zu den Sternen auszuweiten.“

SpaceX behauptete außerdem, es habe „den größten praktisch adressierbaren Gesamtmarkt in der Menschheitsgeschichte“ identifiziert und bezifferte ihn mit 28,5 Billionen USD (ca. 24,9 Billionen €).

Ein Großteil dieser Marktchance hängt von Technologien und Industrien ab, die noch nicht vollständig existieren, darunter kommerzielle Infrastruktur auf dem Mars, orbital stationierte Rechenzentren und weltraumgestützte KI‑Rechnetzwerke, die mit Solarenergie betrieben werden.

Das Dokument betonte mehrfach die strategische Bedeutung orbitaler Infrastruktur; das Wort „orbital“ erscheint 163‑mal im Prospekt.

Prospekt zeigt weit verzweigtes Musk‑Firmennetz

Die IPO-Einreichung bot beispiellose Einblicke darin, wie eng Musks Unternehmen finanziell und operativ miteinander verknüpft sind.

Die Offenlegungen zeigten umfangreiche kommerzielle Vereinbarungen, die SpaceX, Tesla, xAI und X miteinander verbinden.

Während die Unternehmen lange informell zusammenarbeiteten, dokumentierte das Prospekt ein wachsendes Geflecht aus konzernübergreifenden Investitionen, Einkaufsvereinbarungen, Infrastrukturpartnerschaften und Finanzierungsbeziehungen.

Tesla investierte in xAI, bevor das KI‑Unternehmen Anfang dieses Jahres mit SpaceX verschmolz, sodass Tesla nach einer Investition von 2 Milliarden USD (ca. 1,7 Milliarden €) nahezu 19 Millionen Aktien von SpaceX hält.

Das Prospekt zeigte, dass SpaceX und xAI zusammen im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von etwa 650 Millionen USD (ca. 567 Millionen €) von Tesla bezogen haben.

Dazu gehörten rund 506 Millionen USD (ca. 441,4 Millionen €) Ausgaben von xAI für Tesla Megapack‑Batteriesysteme.

SpaceX gab getrennt etwa 144 Millionen USD (ca. 125,6 Millionen €) für kommerzielle Käufe bei Tesla aus, darunter ungefähr 131 Millionen USD (ca. 114,3 Millionen €) für Tesla Cybertrucks zu den empfohlenen Verkaufspreisen.

Das Volumen dieser Transaktionen unterstreicht die zunehmende Integration von Musks Unternehmen, die vermehrt gemeinsame Lieferketten, Fertigungskapazitäten und Infrastruktur nutzen.

Tesla und SpaceX intensivieren KI‑Zusammenarbeit

Künstliche Intelligenz trat als zentrales Thema im Prospekt hervor.

Sowohl Tesla als auch SpaceX positionieren sich aggressiv auf die künftige Nachfrage nach KI‑Infrastruktur; die Unternehmen arbeiten zunehmend bei Halbleiterentwicklung, Robotik und Rechenkapazität zusammen.

Das Prospekt enthüllte Pläne für eine gemeinsam von Tesla und SpaceX mit Unterstützung von Intel entwickelte Chipfertigungsanlage namens „Terafab“.

Die Anlage soll die Produktion fortschrittlicher Chips unterstützen, die für KI‑Anwendungen von autonomen Fahrzeugen bis hin zu orbitalen Rechenzentren benötigt werden.

Tesla treibt parallel sein KI‑gestütztes Robo‑Taxi‑ und Humanoid‑Robotikprogramm voran, während SpaceX orbital‑basierte Infrastruktur aufbauen will, die künftige KI‑Workloads unterstützen kann.

Das Prospekt beschrieb zudem Pläne für einen digitalen KI‑Assistenten, der über das Musk‑Konzernecosystem integriert werden soll.

Die personellen Überschneidungen in der Führungsebene zwischen Tesla und SpaceX wurden ebenfalls im Prospekt hervorgehoben.

Ira Ehrenpreis ist derzeit im Vorstand beider Unternehmen tätig, während Antonio Gracias und Steve Jurvetson zuvor im Tesla‑Aufsichtsrat saßen, bevor sie zu SpaceX wechselten.

Tesla hat SpaceX zusätzlich durch Hardware‑Einkäufe unterstützt, und xAI hat in der Vergangenheit Dienstleistungen direkt bei Tesla bezogen.

Der Analyst Dan Ives von Wedbush sagte, die Offenlegungen bestärkten die Erwartung, dass Tesla und SpaceX langfristig noch enger verbunden sein könnten.

„We continue to ⁠believe that SpaceX and Tesla will eventually merge into one company in 2027 with the groundwork ​already in place for both operations to become one organization,“ Ives said.

Musk wants to own and control more ​of the AI ecosystem and step by step the holy grail could be combining SpaceX and Tesla in some way to give the connected tissue between both disruptive tech stalwarts looking to lead the AI revolution.

Dan Ives
Analyst at Wedbush

Transaktionen mit X und Musk‑Einheiten ziehen Aufmerksamkeit auf sich

Das Prospekt enthüllte auch finanzielle Vereinbarungen, die Musk persönlich und seine Social‑Media‑Plattform X betreffen.

Tesla, das historisch gesehen vergleichsweise wenig für klassische Werbung ausgibt, bezahlte im Jahr 2025 etwa 4 Millionen USD (ca. 3,5 Millionen €) für Werbeplatzierungen auf X.

Der Prospekt legte außerdem Flugzeug‑Sharing‑Vereinbarungen mit Musk und Tesla sowie sicherheitsbezogene Zahlungen an ein von Musk kontrolliertes Privatunternehmen offen.

Die Offenlegungen dürften die Prüfung von Governance und Interessenkonflikten verschärfen, insbesondere angesichts der zunehmenden finanziellen Überschneidungen zwischen Musk‑kontrollierten Unternehmen.

Einige Analysten sahen im Prospekt Hinweise darauf, dass Musk schrittweise ein eng integriertes KI‑ und Technologiekonglomerat aufbaut, das Transport, Rechnen, Kommunikation und Raumfahrtinfrastruktur umfasst.

Finanzergebnisse zeigen Ausmaß der KI‑Ausgaben

Das Prospekt legte auch die enorme finanzielle Belastung offen, die mit Musks KI‑Expansionsplänen verbunden ist.

SpaceX erzielte im letzten Jahr Umsatzerlöse in Höhe von 18,6 Milliarden USD (ca. 16,2 Milliarden €) , verbuchte jedoch einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden USD (ca. 4,3 Milliarden €).

Im ersten Quartal dieses Jahres erwirtschaftete das Unternehmen Umsatzerlöse von 4,7 Milliarden USD (ca. 4,1 Milliarden €) und verzeichnete einen Nettoverlust von 4,3 Milliarden USD (ca. 3,8 Milliarden €).

Die Bilanz wies Vermögenswerte in Höhe von 102 Milliarden USD (ca. 89 Milliarden €) sowie Verbindlichkeiten in Höhe von 60,5 Milliarden USD (ca. 52,8 Milliarden €) aus.

Das Prospekt zeigte, dass nur eines von SpaceX’ drei Kernsegmenten im ersten Quartal profitabel war.

Die Satelliten‑Internet‑Sparte Starlink erzielte ein operatives Ergebnis von 1,2 Milliarden USD (ca. 1 Milliarden €) und profitierte von der wachsenden Nachfrage nach globalen Konnektivitätsdiensten.

Diese Gewinne reichten jedoch nicht aus, um die Verluste in anderen Bereichen des Unternehmens auszugleichen.

Allein die KI‑Sparte verzeichnete im Quartal operative Verluste in Höhe von 2,5 Milliarden USD (ca. 2,2 Milliarden €) bei Umsatzerlösen von 818 Millionen USD (ca. 713,6 Millionen €).

Das Raumfahrtgeschäft selbst verzeichnete operative Verluste von 619 Millionen USD (ca. 540 Millionen €).

Ein Großteil des erhöhten Aufwands resultierte aus der Übernahme von xAI durch SpaceX Anfang dieses Jahres.

Ruth Foxe‑Blader, Managing Partner bei der US‑Venture‑Capital‑Firma Citrine Venture Partners, sagte der BBC: „Es ist nicht schockierend, dass ein Projekt wie dieses, selbst zum Zeitpunkt des Börsengangs, verlustreich ist.“

Laut Prospekt entfielen 76 % von SpaceX’ 10,1 Milliarden USD (ca. 8,8 Milliarden €) an Investitionsausgaben im ersten Quartal auf xAI.

Das Unternehmen räumte ein, dass viele seiner künftigen Umsatzchancen von Technologien und Märkten abhängen, die noch nicht bewährt sind.

Anthropic‑Vertrag signalisiert KI‑Infrastrukturambitionen

Eine weitere bedeutende Offenbarung im Prospekt betraf eine groß angelegte Vereinbarung mit Anthropic, dem Entwickler von Claude.

Dem Prospekt zufolge wird Anthropic jährlich etwa 15 Milliarden USD (ca. 13,1 Milliarden €) zahlen, um über xAI Zugang zu KI‑Rechenzentrumsinfrastruktur im US‑Süden zu erhalten.

Die Vereinbarung lieferte eine der deutlichsten Hinweise darauf, wie SpaceX beabsichtigt, seine Investitionen in KI‑Infrastruktur zu monetarisieren.

Das Prospekt deutete an, dass orbitale Recheninfrastruktur und KI‑bezogene Dienstleistungen schließlich zentrale Säulen des künftigen Geschäftsmodells des Unternehmens werden könnten.

Analysten diskutieren Bewertung und Musk‑Halo‑Effekt

Die IPO‑Einreichung befeuerte auch die Debatte darüber, wie Investoren SpaceX bewerten sollten, da vergleichbare börsennotierte Unternehmen fehlen.

Analysten und Wissenschaftler sagten, Musks öffentliche Persönlichkeit und Erfolgsbilanz könnten eine ungewöhnlich große Rolle bei der Anlegernachfrage spielen.

„Es gibt gewissermaßen einen Halo‑Effekt um Musk und seine unkonventionelle Vision“, sagte Reena Aggarwal, Finanzprofessorin an der Georgetown University, in einem Reuters‑Bericht.

„Es ist schwierig, Unternehmen wie dieses zu bewerten, weil es keine Peer‑Gruppe zum Vergleich gibt.“

Wenn SpaceX seine berichtete Bewertungszielmarke von 1,8 Billionen USD (ca. 1,5 Billionen €) erreicht, würde es Saudi Aramcos IPO von 2019 als größtes öffentliches Angebot übertreffen.

Der Börsengang könnte auch Musks persönliches Vermögen über 1 Billionen USD (ca. 872,3 Milliarden €) hinaus treiben.

SpaceX bewertet sich derzeit auf etwa 1,3 Billionen USD (ca. 1,1 Billionen €), und Musks Mehrheitsanteil wird allein auf mehr als 600 Milliarden USD (ca. 523,4 Milliarden €) geschätzt.

Als bereits reichster Mensch der Welt war Musk im vergangenen Jahr die erste Person, die ein Nettovermögen von 500 Milliarden USD (ca. 436,2 Milliarden €) überschritt.

Der SpaceX‑Börsengang droht nun, nicht nur das Ausmaß von Tech‑Listings neu zu definieren, sondern auch die Konzentration von Reichtum und unternehmerischem Einfluss rund um eine einzelne Person zu verschieben.

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