crude oil

Der Brent‑Rohölpreis schloss letzte Woche bei $109.50, seinem höchsten Stand seit dem 5. Mai dieses Jahres. Er ist seit dem Tiefpunkt dieses Monats um über 13 % gestiegen und könnte angesichts des anhaltenden Patts zwischen den USA und dem Iran weiter zulegen. Zudem hat sich eine bullishe, umgekehrte Kopf‑Schulter‑Formation ausgebildet, die vor der Fahr­saison auf weitere Gewinne hindeutet.

US‑Iran‑Pattsituation hält an – kein leichter Ausweg

Der Brent‑Rohölpreis sprang auf $109.50, während der West Texas Intermediate (WTI) auf $107 kletterte. Die Rallye setzte ein, nachdem Präsident Donald Trump nach seiner Reise nach China gewarnt hatte, dass ihm die Geduld mit den Iranern ausgehe. 

Trump ist frustriert darüber, dass die Iraner nicht auf seine Warnungen reagiert haben. In einer Stellungnahme letzte Woche sagte er, die andauernde Waffenruhe sei auf intensiver Lebenserhaltung und deutete an, dass er den Krieg möglicherweise wiederaufnehmen könnte.

Nahe Vertraute von Trump haben ihn zu diesem Schritt gedrängt. Ben Shapiro forderte, Kharg Island zu treffen, während Mark Levin den Einsatz einer Nuklearwaffe befürwortete. Lindsey Graham und andere Neokonservative sprachen sich ebenfalls für Angriffe auf den Iran aus.

In Wirklichkeit will Trump den Krieg jedoch nicht neu beginnen. Zum einen ist seine Zustimmungsquote in den vergangenen Monaten stark gesunken, und ein Neuanfang des Kriegs würde die Lage verschlimmern. 

Gleichzeitig hat sich der Iran als extrem widerstandsfähig erwiesen. Ein Bericht der New York Times letzte Woche zeigte, dass die Iraner die Waffenruhe genutzt haben, um ihre Waffen wieder zu beschaffen. 

Ein Neustart des Kriegs wäre für Trump riskant

Ein Wiederanfahren des Kriegs würde die Lage verschärfen, da es den Iran dazu treiben würde, seine Angriffe gegen Nachbarstaaten wie Saudi‑Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (UAE) und Kuwait zu intensivieren. Der Iran hat bereits einige potenzielle Ziele identifiziert. 

Trump hat zudem mit steigenden Benzinpreisen und Inflation zu kämpfen. Die Verbraucherpreisinflation ist auf 3,8 % gestiegen, während die Erzeugerpreisinflation auf 6 % hochgeschnellt ist. Ein Wiederbeginn des Kriegs würde die Inflationssituation weiter verschlechtern. 

Der einfachste Weg für Trump wäre, die Blockade fortzusetzen und darauf zu hoffen, dass die wirtschaftliche Lage die Iraner zu einem Deal drängt. US‑Geheimdienste deuteten jedoch an, dass der Iran seine Wirtschaft noch einige Monate aufrechterhalten kann. Das würde außerdem länger anhaltend höhere Ölpreise bedeuten.

Ölbestände fallen rasant vor der Fahr­saison

Unterdessen warnen die meisten Analysten vor stark sinkenden Ölbeständen in den USA und anderen Ländern. Dies geschieht, weil Länder ihre Vorräte an Öl angezapft haben, um Engpässe zu vermeiden. 

Hochrangige Agenturen wie die EIA und die IEA warnen, dass der anhaltende Rückgang der Ölbestände mit beispielloser Geschwindigkeit voranschreitet. 

Ein Bericht, der letzte Woche veröffentlicht wurde, zeigte, dass die US‑Bestände um über 4.3 Millionen Barrel auf 452 Millionen Barrel zusammenbrachen. Die IEA schätzt, dass die weltweiten Bestände um 4 Millionen Barrel pro Tag sinken. All dies geschieht vor der US‑Fahrsaison, wenn die Nachfrage anzieht. 

Technische Analyse des Brent‑Rohölpreises

Brent-Rohölpreis

UKOIL‑Preischart | Quelle: TradingView

Das Tageschart zeigt, dass der Brent‑Preis in den letzten Tagen stark gestiegen ist. Er notiert über dem 50‑Tage‑ und dem 100‑Tage‑Exponentiellen Gleitenden Durchschnitt (EMA).

Ein genauerer Blick zeigt, dass sich eine umgekehrte Kopf‑Schulter‑Formation gebildet hat, ein gängiges bullishes Umkehrsignal. Daher besteht das Risiko, dass der Preis weiter ansteigt, möglicherweise bis zur Halslinie bei $115. Ein Ausbruch über dieses Niveau würde auf weitere Gewinne zielen, potenziell bis $119.50, dem bisherigen Jahreshöchststand.

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