Es ist ja durchaus so, dass die besten Chancen manchmal genau dann entstehen, wenn die Unsicherheiten am größten sind. Wir wollen heute deshalb einmal auf die Aktien von Nike (WKN: 866993) und Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) blicken.
Denn beide Werte stehen derzeit unter Druck. Wobei sich die Stimmung hier spürbar eingetrübt hat und dadurch auch die Kurse zuletzt weiter gefallen sind. Für viele Investoren eventuell ein Warnsignal, doch für andere hingegen ein möglicher Einstiegszeitpunkt.
Denn nicht jede Korrektur ist gleich. Manche Unternehmen kämpfen mit operativen Problemen. Andere leiden vor allem unter zu hohen Erwartungen in der Vergangenheit. Und genau hier wird es spannend.
Während Nike seinen Weg zurück zu Wachstum und Margenstärke erst noch beweisen muss, steht bei Novo Nordisk weniger das Geschäftsmodell infrage, sondern vielmehr die Bewertung nach einem außergewöhnlichen Hype.
Zwei unterschiedliche Ausgangslagen. Zwei mögliche Turnarounds. Und vielleicht zwei Überraschungen im Jahr 2026.
Nike – Der operative Turnaround muss erst noch gelingen
Die Herausforderungen bei Nike sind alles andere als neu, aber sie sind aktuell sichtbarer denn je. Schwaches Wachstum in wichtigen Märkten, hoher Wettbewerbsdruck und eine Phase erhöhter Rabatte haben zuletzt auf die Margen gedrückt. Gleichzeitig befindet sich das Unternehmen mitten in einem strategischen Umbau, insbesondere im Direktvertrieb und bei der Produktpipeline.
Beispielsweise sind im letzten Quartal alleine in China die Verkäufe um 7 % gefallen und nach aktuellen Schätzungen könnte es im laufenden Quartal sogar um 20 % abwärtsgehen. Doch neben China schwächelt es sowohl bei der Marke Converse als auch im Bekleidungsgeschäft. Auch kommt Nike nach Aussage seines CEOs Elliot Hill bei seinen Umstrukturierungen leider noch nicht ganz so gut voran wie geplant.
Dies alles hat die Nike-Aktie weiter belastet. Auf ihrem aktuellen Niveau von 44,19 US-Dollar (02.04.2026) notiert sie mittlerweile nicht nur 32 % tiefer als vor einem Jahr, sondern hat seit ihrem Allzeithoch Ende 2021 bis heute stolze 75 % an Wert verloren.
Das Problem: Ein operativer Turnaround braucht Zeit und Vertrauen. Der Markt scheint derzeit beides nur begrenzt zu geben. Doch genau darin könnte auch eine Chance liegen. Nike bleibt immerhin eine der stärksten Marken weltweit.
Sollte es dem Sportartikelhersteller also gelingen, Innovationen wieder stärker in den Vordergrund zu rücken und die Margen zu stabilisieren, könnte sich das Bild schneller drehen als viele erwarten. Und noch eine kleine Entscheidungshilfe: Die Experten von MarketScreener erwarten für das neue Geschäftsjahr, welches bei Nike bereits im Juni beginnt, einen kräftigen Gewinnanstieg von über 30 %.
Novo Nordisk – Korrektur nach dem Hype oder Beginn eines echten Problems?
Bei Novo Nordisk wirkt die aktuelle Schwäche auf den ersten Blick dramatisch. Die Aktie ist zuletzt deutlich gefallen, die Euphorie rund um Abnehmmedikamente hat spürbar nachgelassen und mit ihr auch die zuvor sehr hohe Bewertung.
Der aktuelle Kurs hat sich mit 31,56 Euro (02.04.2026) derzeit sogar um 77 % von seinem ehemaligen Höchststand entfernt. Im Gegensatz zu klassischen Turnaround-Kandidaten steht hier meiner Ansicht nach aber weniger das operative Geschäft im Fokus.
Denn Novo Nordisk wächst weiterhin in einem strukturell attraktiven Markt. Die Nachfrage nach Medikamenten gegen Diabetes und Adipositas ist ungebrochen hoch, und das Unternehmen gehört zu den klaren Marktführern in diesem Bereich. Im Abnehmmarkt ist man die Nummer 2 und auch im Hauptgeschäft mit Diabetes ist Novo Nordisk weiterhin hervorragend positioniert.
Das eigentliche Problem liegt daher vielleicht ganz woanders: Die Erwartungen könnten nämlich schlicht zu hoch gewesen sein. Nach einer Phase extremer Kursgewinne reicht manchmal eben bereits eine leichte Eintrübung, um eine deutliche Korrektur auszulösen. Genau das könnte in meinen Augen bei Novo Nordisk in der letzten Zeit passiert sein.
Der Markt justiert also bei der Aktie von Novo Nordisk neu. Für langfristig orientierte Investoren stellt sich damit die entscheidende Frage: Handelt es sich um den Beginn eines strukturellen Problems oder lediglich um eine gesunde Normalisierung nach einer Übertreibung?
Sollte Letzteres zutreffen, könnte genau diese Phase die Grundlage für einen Bewertungsturnaround bilden. Denn während die kurzfristige Dynamik nachlässt, bleibt die langfristige Wachstumsgeschichte grundsätzlich intakt.
Fazit
Turnarounds beginnen selten in komfortablen Phasen, aber oftmals dann, wenn Zweifel dominieren. Nike steht für den klassischen operativen Neustart. Novo Nordisk dagegen für eine mögliche Neubewertung nach überzogenen Erwartungen.
Zwei unterschiedliche Geschichten, aber ein gemeinsamer Nenner: Wenn sich der Markt irren sollte, können genau daraus Chancen entstehen. Ob 2026 das Jahr der Überraschungen wird, entscheidet sich also nicht an der Stimmung von heute, sondern vielmehr an der Entwicklung von morgen.
Der Artikel Turnaround-Strategie 2026: Diese 2 Aktien könnten überraschen! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.