
Die Australian Securities and Investments Commission (ASIC) teilte am Freitag mit, dass ein australisches Bundesgericht die lokale Derivate-Einheit von Binance zur Zahlung von A$10 million verurteilt hat.
Die Strafe, wie Reuters berichtete, folgt auf Feststellungen, dass das Unternehmen einen großen Teil seiner Kunden falsch klassifiziert und sie dadurch riskanten Krypto-Produkten ausgesetzt hatte.
Die Sanktion folgt einer Klage, die ASIC Ende 2024 eingereicht hatte. Darin wurde behauptet, dass die Klassifizierungsfehler der Börse Privatanlegern den Handel mit komplexen Krypto-Derivaten ermöglichten, ohne die unter australischen Finanzvorschriften erforderlichen Schutzmaßnahmen.
Binance Australia Derivatives räumte die Fehler in einer mit dem Regulator vereinbarten Feststellungserklärung ein und bestätigte Lücken in seinen Systemen und der Aufsicht während des untersuchten Zeitraums.
Der Fall lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie sich globale Krypto-Börsen an lokale Compliance-Anforderungen anpassen.
Auswirkungen auf Kunden und finanzielle Verluste
Das Bundesgericht stellte fest, dass Binance Australia zwischen Juli 2022 und April 2023 524 Privatanleger fälschlich als Wholesale-Kunden eingestuft hat.
Diese Einstufung verschaffte ihnen Zugang zu hochriskanten Krypto-Derivaten, die typischerweise erfahrenen oder finanziell qualifizierten Nutzern vorbehalten sind.
Die fehlklassifizierte Gruppe verzeichnete im betreffenden Zeitraum A$8.7 million an Handelsverlusten. Sie zahlte zudem A$3.9 million an Gebühren, während sie mit diesen Produkten handelte.
ASIC erklärte, dass das Problem mehr als 85% der damaligen Kundenbasis von Binance Australia betraf.
Das Ausmaß der Fehlklassifizierung warf Fragen darüber auf, wie Anlegerkategorien innerhalb der Plattform bestimmt und überwacht wurden.
Die Feststellungen hoben auch das potenzielle finanzielle Risiko hervor, wenn Privatanleger ohne angemessene Schutzmaßnahmen gehebelten Produkten ausgesetzt sind.
Lücken beim Onboarding und Fehler bei der Verifizierung
ASICs Feststellungen wiesen auf Schwächen im Onboarding-Prozess von Binance Australia und in internen Compliance-Kontrollen hin.
Das Unternehmen räumte Mängel in der Mitarbeiterschulung und bei der Kundenverifizierung ein, die zu dem Problem beitrugen.
Nutzern wurde erlaubt, mehrfach einen Multiple-Choice-Test zu wiederholen, der feststellen sollte, ob sie als „sophisticated investors“ galten.
Dies ermöglichte es einigen Privatanlegern, den Test schließlich zu bestehen, ohne die beabsichtigten Standards zu erfüllen.
In einem Fall wurde ein Kunde allein aufgrund einer Selbsterklärung, er sei eine von der Offenlegung befreite öffentliche Stelle, als professioneller Anleger eingestuft. Diese Angabe wurde ohne weitere Verifizierung akzeptiert.
Diese Versäumnisse führten dazu, dass wichtige Verbraucherschutzmaßnahmen nicht angewandt wurden und Privatanleger Zugang zu Produkten mit erhöhtem finanziellem Risiko erhielten.
Regulierer konzentrieren sich zunehmend auf solche Schwächen im Onboarding als Schwerpunkt bei Durchsetzungsmaßnahmen auf Plattformen für digitale Vermögenswerte.
Entschädigung und Abhilfemaßnahmen
Die A$10 million Strafe ist getrennt von etwa A$13.1 million, die Binance Australia bereits 2023 zur Entschädigung betroffener Kunden gezahlt hatte.
Das Unternehmen erklärte, das Problem intern identifiziert und ASIC gemeldet zu haben und dass es 2023 durch Abhilfemaßnahmen und Systemänderungen vollständig behoben worden sei.
Zu diesen Maßnahmen gehörten die Stärkung interner Kontrollen, die Überarbeitung der Onboarding-Verfahren und eine verbesserte Mitarbeiterschulung, um ähnliche Fehler künftig zu verhindern.
Die Entscheidung des Gerichts unterstreicht die regulatorischen Erwartungen an eine korrekte Kundenklassifizierung, insbesondere für Plattformen, die Krypto-Derivate anbieten.
Für ASIC verdeutlicht der Fall die weiterreichenden Bedenken zum Anlegerschutz im Kryptomarkt, da der Zugang zu risikoreichen Handelsprodukten weiterhin zunimmt.
Er signalisiert zudem, dass Durchsetzungsmaßnahmen verschärft werden könnten, da Regulierer darauf abzielen, den Sektor an traditionelle Finanzstandards anzunähern.
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