Arm Holdings kündigte am Dienstag Pläne an, sein erstes hauseigenes Siliziumprodukt zu entwerfen und zu verkaufen, was einen bedeutenden Wandel weg von seinem jahrzehntelang auf die Lizenzierung von Chip-Designs ausgerichteten Geschäftsmodell markiert.

Der neue Prozessor namens AGI CPU soll KI-Workloads in Rechenzentren antreiben und dürfte dem Unternehmen eine Umsatzchance in Milliardenhöhe eröffnen.

Der Schritt stellt einen bedeutenden strategischen Richtungswechsel für Arm dar, das seit seiner Gründung 1990 weitgehend auf die Herstellung von Chips verzichtet hat und stattdessen Halbleiterfirmen geistiges Eigentum zur Verfügung stellte.

Ein »pivotal«-Wandel über das Lizenzmodell hinaus

Arm hat historisch Einnahmen erzielt, indem es seine Chip-Architekturen an Unternehmen wie Qualcomm und Nvidia lizenzierte und Lizenzgebühren auf Basis der ausgelieferten Einheiten einstrich.

Dieses vermögensarme Geschäftsmodell trug dazu bei, dass Arm zu einem der einflussreichsten Akteure im globalen Halbleiter-Ökosystem wurde, da seine Designs die überwiegende Mehrheit mobiler Geräte antreiben.

Die Einführung eines eigenen Chips signalisiert eine Abkehr von diesem Ansatz und bringt Arm in direktere Konkurrenz zu einigen seiner eigenen Kunden.

CEO Rene Haas bezeichnete die Entwicklung als einen Wendepunkt für das Unternehmen, da es einen größeren Anteil am Wert in dem rasch wachsenden Markt für KI-Infrastruktur zu erfassen versucht.

Analysten sagten, der Schritt könnte Arms langfristige Wachstumsdynamik neu ausrichten.

Pierre Ferragu von New Street Research nannte die Verlagerung hin zum Verkauf von Chips die bedeutendste strategische Wende in der Firmengeschichte.

Fokussierung auf nächste KI-Workloads

Die AGI CPU ist für eine neue Klasse von KI-Anwendungen konzipiert, die als KI-Agenten bezeichnet werden und Aufgaben autonom mit minimaler menschlicher Eingriffsmöglichkeit ausführen können, statt lediglich auf Eingaben wie traditionelle Chatbots zu reagieren.

Solche Workloads erfordern erhebliche Rechenleistung und Energieeffizienz — Bereiche, in denen Arm sein Angebot differenzieren will.

Der Chip verfügt über bis zu 136 Kerne und wurde entwickelt, um die Leistung pro Watt deutlich zu erhöhen, eine zentrale Kennzahl für großflächige Rechenzentrumsbetrieb.

Mohamed Awad, Leiter von Arms Cloud-KI-Geschäft, sagte, der Prozessor könne die Infrastrukturkosten drastisch senken.

Er schätzte, dass die Einführung der Technologie beim Bau eines großen KI-Rechenzentrums Einsparungen von bis zu $10 billion ermöglichen könnte, das bis zu $50 billion kosten kann.

Starke Branchenunterstützung und Partnerschaften

Die Entwicklung der AGI CPU hat Unterstützung großer Technologiekonzerne auf sich gezogen.

Meta, die Muttergesellschaft von Facebook, arbeitete am Chip mit und hat sich als erster Kunde verpflichtet.

OpenAI gehört ebenfalls zu den frühen Anwendern.

Die Fertigung soll von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company übernommen werden, unter Nutzung ihrer fortschrittlichen 3-Nanometer-Prozesstechnologie.

Der Chip besteht aus zwei separaten Siliziumteilen, die als eine Einheit funktionieren.

Arm erklärte, bereits funktionierende Testchips erhalten zu haben und plant, die Serienfertigung in der zweiten Jahreshälfte zu starten.

Neben dem Chip selbst arbeitet das Unternehmen mit Hardware-Partnern wie Lenovo und Quanta Computer zusammen, um vollständige Serversysteme bereitzustellen.

Der Wettbewerbsdruck nimmt zu

Arms Einstieg in die Chipproduktion erfolgt zu einer Zeit, in der die Nachfrage nach KI-Hardware stark anzieht.

Nvidia dominiert den Markt für spezialisierte KI-Prozessoren und profitierte vom schnellen Aufkommen generativer KI-Technologien.

Gleichzeitig richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf Allzweckprozessoren, die breitere KI-Workloads unterstützen, insbesondere da Unternehmen fortschrittlichere KI-Agenten entwickeln.

Jensen Huang, CEO von Nvidia, hat bereits die wachsende Bedeutung solcher Chips hervorgehoben und angedeutet, dass sie zu einem bedeutenden Umsatztreiber werden könnten.

Arms neues Angebot positioniert das Unternehmen, um einen Anteil an diesem aufkommenden Markt zu erobern und zugleich seine Rolle im KI-Ökosystem zu vertiefen.

Was Analysten zur Kurskorrektur sagen

Wall Street erwartet aktuell, dass Arm für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von etwa $4.91 billion und einen Gewinn von $1.75 je Aktie meldet, laut Schätzungen, die von LSEG zusammengetragen wurden.

Einige Analysten zeigen sich zunehmend optimistisch hinsichtlich der Aussichten des Unternehmens.

In einer außergewöhnlichen Maßnahme hat HSBC die Aktie am Freitag um zwei Stufen hochgestuft und verwies auf den Übergang von einem smartphone-abhängigen Geschäftsmodell zu einem wichtigen Akteur bei AI-Serverprozessoren.

Sie hob ihre Einstufung der Aktie von ‚Reduce‘ auf ‚Buy‘ an und mehr als verdoppelte ihr Kursziel von $90 auf $205; der $205-Wert ist damit der höchste an der Wall Street.

„Wir sind der Ansicht, dass Arm sich nun eindeutig in der Mitte eines Übergangs von einem smartphone-abhängigen Semi‑IP-Geschäft zu einem bedeutenden Nutznießer von AI-Server-CPUs befindet, der vom Markt weiterhin unterbewertet wird“, schrieb HSBC-Analyst Frank Lee.

Lee sagte, Lizenzgebühren aus Server‑CPUs könnten langfristig Arms derzeitigen Gesamtumsatz erreichen und möglicherweise bis 2030 $4 billion betragen.

Er merkte auch an, dass Arm, falls es sich erfolgreich im Markt für Händler‑CPUs etabliert, die durchschnittlichen Verkaufspreise deutlich steigern und die Rentabilität verbessern könnte.

Allerdings bleiben Herausforderungen bestehen.

Der globale Smartphone‑Markt, eine traditionelle Stärke von Arm, steht unter Druck, was Bedenken hinsichtlich des kurzfristigen Wachstums aufwirft.

Bank of America hat eine zurückhaltendere Haltung beibehalten und verwies auf Unsicherheiten bei der Umsetzung sowie auf potenzielle Risiken des Einstiegs in ein kapitalintensives Fertigungsgeschäft.

In einer Research‑Notiz am Donnerstag bekräftigte sie eine ‚Neutral‘-Einstufung und ein Kursziel von $140.

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