
Software-Aktien zeigen erste Erholungszeichen nach monatelangen heftigen Abverkäufen, wobei Analysten darüber debattieren, ob der Sektor einen dauerhaften Tiefpunkt erreicht hat.
Der S&P 500 Software-Index verzeichnete letzte Woche seine stärkste Wochenperformance seit Mai 2025, während der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) sich seit dem Tief im Februar um etwa 10 % erholt hat.
Trotz der Erholung liegt der ETF in diesem Jahr bisher weiterhin rund 20 % im Minus und schwächer als breitere globale Aktien, die weitgehend unverändert sind.
Positionierung trübt Aussichten auf nachhaltige Erholung
Analysten bei Barclays sagen, die jüngste Rallye könne verbesserte Stimmung widerspiegeln, warnen jedoch, dass die Anlegerpositionierung weiterhin ein Schlüsselfaktor sei.
„Während Hedgefonds ihre Exponierung deutlich reduziert haben, sind Long-only-Portfolios weiterhin stark investiert. Daher erschwert dieses Positionierungsumfeld trotz zunehmend attraktiver Bewertungen die eindeutige Feststellung eines Software-Tiefpunkts“, schreiben Barclays-Analysten um Sven Merkt in einer Mitteilung vom Montag.
„Davon abgesehen sehen wir die aktuellen Niveaus als sehr attraktiv für langfristig ausgerichtete Investoren.“
Die Bank fügte hinzu, dass neue Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz die Bewertungen weiterhin unter Druck setzen könnten, insbesondere da neue Tools und Fähigkeiten Fragen zur langfristigen Nachfrage nach traditionellen Softwareprodukten aufwerfen.
Analysten sehen Diskrepanz zwischen Bewertungen und soliden Fundamentaldaten
Befürchtungen über die Auswirkungen von KI standen im Zentrum des Rückgangs des Sektors.
Investoren befürchten, dass immer leistungsfähigere KI-Agenten Unternehmen in die Lage versetzen könnten, eigene Softwarelösungen zu entwickeln und damit die Abhängigkeit von etablierten Anbietern zu verringern.
Ankündigungen von Unternehmen wie Anthropic und OpenAI haben wiederholt Ausverkäufe im Softwarebereich und in anderen Branchen ausgelöst.
Die Aktien von International Business Machines gerieten beispielsweise unter Druck nach der Veröffentlichung neuer KI-Tools, die diese Risiken unterstrichen.
Einige Investoren halten die Befürchtungen jedoch für übertrieben.
Portfoliomanager verweisen auf eine Diskrepanz zwischen Bewertungen und den zugrunde liegenden Fundamentaldaten und vermuten, dass der Markt übermäßig pessimistische Szenarien einpreist.
„Wir sehen eine große Diskrepanz zwischen Bewertungen und qualitativ hochwertigen Fundamentaldaten, bei denen die Risiken übertrieben zu sein scheinen“, sagte Hua Cheng, Portfoliomanager bei Mirova, das laut einem Bloomberg-Bericht letzte Woche über $39 billion an Vermögenswerten verfügt.
Fundamentaldaten bleiben trotz Ausverkaufs robust
Auch bei fallenden Aktienkursen haben sich die Gewinnerwartungen gehalten.
Für Software- und Dienstleistungsunternehmen im S&P 500 wird dieses Jahr ein Gewinnwachstum von rund 21 % erwartet, gegenüber früheren Schätzungen von 17 %.
Die Unternehmensperformance war ebenfalls stark.
Im vierten Quartal übertrafen 93 % der Softwareunternehmen im Index die Gewinnerwartungen, deutlich mehr als beim Gesamtmarkt.
„Nachdem wir verschiedene Experten, Generalisten, Gemini, ChatGPT und Claude befragt haben, sind wir noch auf kein einziges Softwareunternehmen gestoßen, das für 2026 einen negativen Umsatzeffekt durch KI erwartet“, schrieben Strategen der Deutschen Bank in einer letzte Woche veröffentlichten Notiz, in der sie Software innerhalb des Technologiesektors auf Übergewicht setzten.
„Wir glauben, dass die Sorgen um KI-Disruption ihren Höhepunkt erreicht haben.“
Die Stimmungswende zeigt sich auch in der Marktaktivität.
Hedgefonds haben begonnen, bärische Positionen abzubauen, nachdem Short-Positionen im Februar ihr höchstes Niveau seit 17 Jahren erreicht hatten, stellte der Bloomberg-Bericht fest.
Unterdessen ist ein von Goldman Sachs zusammengestellter Korb, der Softwareaktien gegenüber Halbleitern abbildet, in diesem Monat um etwa 9 % gestiegen, angetrieben von Eindeckungen von Short-Positionen und der Rotation aus überfüllten Chip-Positionen.
Optionsdaten deuten ebenso auf erneutes Kaufinteresse hin, wobei Investoren wieder aktiv werden, nachdem der Sektor tief überverkauft war, so der Bloomberg-Bericht.
Selektive Chancen im KI-Übergang
Angesichts der Unsicherheit konzentrieren sich Analysten zunehmend auf Unternehmen, die am besten positioniert sind, von KI zu profitieren, statt durch sie verdrängt zu werden.
Barclays identifiziert SAP als einen führenden Nutznießer und verweist auf die Fähigkeit, KI in Unternehmens-Workflows wie Finanzen, Lieferkette und Beschaffung zu integrieren.
„SAP könnte ein echter KI-Nutznießer sein, wenn das Unternehmen die Umsetzung schafft“, schrieben die Analysten, gaben der Aktie ein Overweight-Rating und bestätigten das Kursziel von €240.
Weitere Unternehmen, die als relativ gut positioniert gelten, sind Temenos und Dassault Systèmes, gestützt durch starke branchenspezifische Vorteile.
Insbesondere Temenos wird als weitgehend vor KI-Disruption geschützt angesehen, dank hoher Wechselkosten, regulatorischer Komplexität und verankerter Positionen in Kernbankensystemen.
Analysten warnen jedoch, dass der Weg für Softwareaktien voraussichtlich nicht glatt verlaufen wird.
Während die Bewertungen für langfristige Investoren zunehmend attraktiv erscheinen, deuten Unsicherheiten über die langfristigen Auswirkungen der KI und wechselnde Anlegerpositionierungen darauf hin, dass die Volatilität in naher Zukunft anhalten könnte.
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