
Die italienische UniCredit teilte mit, sie plane ein Angebot, um ihren Anteil an der Commerzbank über die wichtige 30%-Schwelle zu erhöhen, betonte jedoch, dass sie nicht die Absicht habe, die vollständige Kontrolle über die deutsche Bank anzustreben.
Der Schritt ist die jüngste Entwicklung in UniCredits schrittweiser Expansion in eine der größten Banken Deutschlands und könnte, sofern genehmigt, die Aktionärsstruktur der Commerzbank verändern.
Die Mailänder Bank hält bereits rund 28% an der Commerzbank, darunter etwa 26.04% durch direkte Aktienbestände und den Rest über Total-Return-Swaps.
Die regulatorische 30%-Schwelle
Die 30%-Schwelle ist in Deutschland eine kritische regulatorische Grenze, da ihr Überschreiten in der Regel einen vollständigen Übernahmeangebot erforderlich macht.
Das Angebot von UniCredit ist darauf ausgelegt, diese „Klippe“ zu passieren, ohne notwendigerweise eine vollständige Übernahme auszulösen.
„Dies würde sowohl die Notwendigkeit für UniCredit beseitigen, seinen Anteil kontinuierlich anzupassen, um unter der 30%-Schwelle zu bleiben, bedingt durch das laufende Aktienrückkaufprogramm der Commerzbank, als auch die Fähigkeit, seinen Anteil anschließend frei am offenen Markt oder auf anderem Wege zu erhöhen“, erklärte UniCredit am Montag in einer Mitteilung.
Chief Executive Andrea Orcel sagte, die Bank erwarte nicht, dass ihr Anteil deutlich über die 30%-Marke hinaus ansteige, und schloss die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Übernahme aus.
„Ein Szenario einer vollständigen Übernahme ist fernliegend“, sagte Orcel laut Reuters.
Er fügte hinzu, dass ein vollständiger Erwerb der deutschen Bank etwa 200 Basispunkte von UniCredits Kapital binden könnte.
Details zum Angebot und Bewertung
UniCredit sagte, das Umtauschverhältnis für das Aktientauschangebot werde in den kommenden Tagen von der deutschen Finanzaufsicht festgelegt.
Die Bank erwartet, dass das Verhältnis bei etwa 0.485 UniCredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie liegen wird.
Auf Basis dieser Schätzung würde das Angebot die Commerzbank-Aktie mit etwa €30.80 bewerten, was einer Prämie von rund 4.1% gegenüber dem Schlusskurs der deutschen Bank am Freitag entspricht.
Der Vorschlag impliziert eine Gesamtbewertung von etwa €34.9 billion für die Commerzbank, basierend auf von FactSet zusammengestellten Aktienzahlen.
UniCredit sagte, das Angebot solle formell Anfang Mai gestartet werden.
Die Bank wird am 4. Mai eine außerordentliche Hauptversammlung abhalten, um die Zustimmung der Aktionäre zur Kapitalerhöhung einzuholen, die zur Unterstützung der Transaktion erforderlich ist.
Deutsche Beteiligte beobachten genau
Die deutsche Regierung bleibt einer der größten Aktionäre der Commerzbank und hält rund 12.72% an der Bank.
Weitere Großinvestoren sind BlackRock mit etwa 5.73% und Norges Bank Investment Management mit ungefähr 3.14%.
Regionale Behörden in Deutschland haben angekündigt, UniCredits Vorschlag sorgfältig zu prüfen.
Boris Rhein, Ministerpräsident des Bundeslandes Hessen, wo die Commerzbank ihren Sitz hat, sagte, das Land werde das Angebot „sorgfältig und unvoreingenommen“ prüfen.
Er fügte hinzu, dass die Aufrechterhaltung der Rolle Frankfurts als führendes europäisches Finanzzentrum weiter Priorität habe und dass die Interessen der Mitarbeiter und Kunden der Commerzbank, insbesondere im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen, berücksichtigt werden müssten.
UniCredits schrittweiser Aufbau
UniCredit begann 2024 mit dem Aufbau seines Anteils an der Commerzbank, als es rund 9% des Grundkapitals der Bank erwarb.
Später im Jahr erhöhte sie ihren potenziellen Anteil mittels Derivatgeschäften auf etwa 28%.
Im März 2025 autorisierte die Europäische Zentralbank UniCredit, einen direkten Anteil von bis zu 29.9% an der Commerzbank zu erwerben.
Trotz der strategischen Manöver sind die Aktien beider Banken in diesem Jahr zurückgegangen.
Die UniCredit-Aktie liegt im bisherigen Jahresverlauf rund 10.5% im Minus, während die Commerzbank-Aktien im gleichen Zeitraum um mehr als 18% gefallen sind.
The post UniCredit will Commerzbank-Anteil über 30% anheben, Übernahme ausgeschlossen appeared first on Invezz