
Die Aktienkurse von IAG und EasyJet sind in diesem Monat eingebrochen, da anhaltende geopolitische Spannungen Rohöl über $100 trieben. Die EasyJet-Aktie fiel auf 397p, ein Rückgang von 25 % gegenüber dem Höchstkurs im Dezember und 30 % gegenüber dem Jahreshoch 2025.
Ähnlich fiel IAG, Muttergesellschaft von British Airways und Iberia, auf 374p, deutlich unter das Jahreshöchst von 463p. Diese Rückgänge haben zu einem erheblichen Einbruch ihrer Marktkapitalisierung geführt.

Steigende Kerosinpreise belasten Margen
Der andauernde Kursrutsch bei EasyJet und IAG spiegelt die Lage der globalen Flugbranche wider.
So ist zum Beispiel der vielbeachtete US Global Jets ETF (JETS) auf $25,2 gefallen, deutlich unter dem Jahreshöchst von $31.
Auch große Fluglinien wie Delta, United, Ryanair und Southwest haben kräftig nachgegeben. Ursache für den Rückzug ist der anhaltende Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf die Kerosinpreise, die in diesem Jahr anzusteigen begonnen haben.
Von der IATA zusammengestellte Daten zeigen, dass der durchschnittliche Kerosinpreis für die Woche bis zum 6. März bei $157 pro Barrel lag, ein Anstieg von 65 % gegenüber dem Vormonat. Für europäische Fluggesellschaften wie EasyJet und IAG liegt der Durchschnittspreis bei $164 pro Barrel.

Der Trend dürfte kurzfristig weiter nach oben gehen, da Rohölpreise in naher Zukunft deutlich höher ausfallen könnten. Brent, der weltweite Referenzwert, sprang am Donnerstag auf $100. Auch der West Texas Intermediate (WTI) nähert sich $100.
Die Preise dürften weiter steigen, weil Iran davon ausgeht, dass ein baldiges Kriegsende nicht in seinem Interesse liegt. Die Führung des Landes ist der Ansicht, dass ein längerer Krieg künftige Angriffe der USA und Israels verhindern werde. In einer Erklärung am Mittwoch warnte Iran, dass sein Ziel darin bestehe, die Preise über $200 zu drücken.
Traditionell nutzen Fluggesellschaften Hedging-Strategien, um Verluste bei Preissprüngen zu begrenzen. Diesmal greifen die Airlines jedoch zusätzlich zu Mitteln wie Fahrpreiserhöhungen und Treibstoffzuschlägen, da sie mit einem beispiellosen Anstieg der Raffineriemargen kämpfen. In einer aktuellen Mitteilung sagte der Finanzvorstand von Cathay Pacific :
„Unser Hedging bezieht sich auf Rohöl und nicht auf Kerosin. Daher haben wir zwar einen gewissen Schutz durch dieses Hedging, aber offensichtlich schützt es nicht vollständig vor dem Anstieg des Kerosinpreises.“
IAG und EasyJet drifteten bereits vor dem Krieg auseinander
Die jüngsten Finanzzahlen zeigten, dass sich die Geschäfte von IAG und EasyJet in den letzten Monaten auseinanderentwickelt haben. IAGs Zahlen zeigten, dass der Umsatz im vergangenen Jahr um 3,5 % auf €33 Mrd. stieg, während das operative Ergebnis auf €5 Mrd. anstieg. Die Marge weitete sich auf 15,1 % aus.
Das Geschäft von IAG lief gut, weil das Unternehmen über beträchtliche Marktanteile auf der Transatlantikstrecke verfügt und sich auf das Premiumsegment konzentriert, das höhere Margen aufweist. Zudem hat IAG sein Streckennetz ausgebaut und große Bestellungen bei Airbus und Boeing platziert.
Unterdessen stand EasyJet bereits unter Druck, was erklärt, warum die Aktie schon vor Ausbruch des Kriegs in einem Abwärtstrend war. Die jüngste Trading-Mitteilung zeigte, dass der Konzernumsatz um 11 % auf £2,2 Mrd. stieg. Höhere Kosten führten jedoch zu einem Verlust im ersten Quartal in Höhe von £93 Mio.
Mit Blick nach vorn dürften die Aktienkurse von EasyJet und IAG unter Druck bleiben, solange der Krieg andauert. Eine Erholung wird erst einsetzen, wenn es Hinweise auf ein Kriegsende gibt.
The post IAG- und EasyJet-Aktien stürzen ab, Kerosin steigt stark – was nun? appeared first on Invezz