Hoher Umsatz, bekannte Marken und riesige Fabriken klingen nach einem starken Geschäftsmodell. Für Anleger kann das jedoch eine gefährliche Illusion sein. 

Denn wenn ein Unternehmen ständig Milliarden investieren muss, gleichzeitig kaum höhere Preise durchsetzen kann und nur dünne Margen hat, wird nicht nur das Wachstum schnell teuer. Auch die Risiken steigen exorbitant, was eigentlich eine höhere Kapitalrendite erfordert.

Dieses Problem zeigt sich besonders deutlich im Automobilsektor, bei Airlines oder in der Stahlindustrie. Nicht jede Aktie aus diesen Branchen ist zu meiden, man sollte jedoch sehr genau hinsehen.

Wenn Milliardeninvestitionen zum Problem werden

Der Automobilsektor ist für das oben beschriebene Problem ein Paradebeispiel. Hersteller müssen hohe Summen in Werke, Forschung, Batterien, Software und neue Antriebstechnologien investieren. Gleichzeitig ist der Wettbewerb hart. 

Steigende Kosten lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres an die Kunden weitergeben. Rabatte und Preiskämpfe setzen zudem die Margen ständig unter Druck setzen. Vor allem die etablierten Automobilhersteller leiden. Asiatische hingegen befinden sich auf der Überholspur.

Hinzu kommt ein anderes Element: die Zyklik. Läuft die Wirtschaft gut, steigen Absatz und Auslastung. Kühlt die Konjunktur ab, brechen die Gewinne dagegen schnell ein, weil ein großer Teil der Kosten weiterläuft. Der sogenannte operative Hebel wirkt dann in die falsche Richtung.

Bei Airlines ist die Ausgangslage ähnlich. Flugzeuge sind teuer, Wartung, Personal und Flughafengebühren ebenfalls.

Gleichzeitig vergleichen Kunden Preise sehr genau. Schließlich handelt es sich um ein substituierbares Volumengut.

Eine Airline kann höhere Treibstoff- oder Personalkosten also nicht beliebig weiterreichen. Schon kleine Veränderungen bei Auslastung, Ticketpreisen oder den Kerosinkosten belasten den Gewinn.

Noch schwieriger wird es bei Stahlproduzenten. Stahl ist in vielen Bereichen ein weitgehend standardisiertes Produkt. 

Die Möglichkeiten zur Differenzierung sind daher begrenzt, während die Konkurrenz ist international. Dadurch fehlt vielen Herstellern die notwendige Preissetzungsmacht, um Kostensteigerungen dauerhaft an die Kunden weiterzugeben. Gleichzeitig verschlingen Produktionsanlagen und deren Modernisierung aber Unsummen.

Für Anleger führt das zur entscheidenden Frage. Nämlich, wie viel Gewinn das Unternehmen mit dem Kapital überhaupt erzeugt, das es dauerhaft binden muss? 

Die Kapitalrenditen ROA und ROCE in Kombination mit dem freien Cashflow liefern die Antworten. Sind sie niedrig, kann ein Unternehmen zwar Milliardenumsätze erzielen, aber dennoch nur wenig wirtschaftlichen Wert schaffen, wenn dafür noch größere Mengen an Kapital erforderlich sind.

Das macht diese Branchen nicht automatisch zu schlechten Investments. Denn wir wissen ja, dass in Boomphasen diese zyklischen Unternehmen kräftige Gewinne erzielen. Problematisch wird es vielmehr, wenn Anleger einen solchen Spitzengewinn für dauerhaft halten und dafür auch hoch einen hohen Aktienpreis bezahlen.

Der Fehler: Umsatz und Wachstum allein machen noch kein gutes Investment

Automobilhersteller, Airlines und Stahlkonzerne haben zweifellos ihre Chancen. Für langfristige Anleger sind ihre Geschäftsmodelle jedoch anspruchsvoller als es große Umsätze und bekannte Marken vermuten lassen. 

Eine hohe Kapitalintensität, eine geringe Pricing-Power, niedrige Margen und eine starke Zyklik können die Rendite deutlich begrenzen. Wer Unternehmen wirklich verstehen will, sollte deshalb nicht bei Umsatz und Gewinn stehen bleiben. 

Entscheidend ist, wie viel Kapital dafür eingesetzt werden muss – und ob die erwirtschaftete Rendite langfristig über den Kapitalkosten liegt. Wer solche Unterschiede schneller erkennen möchte, sollte sich deshalb mit den wichtigsten Bilanzkennzahlen beschäftigen.

Der Artikel 90 % Fehler: Mehr Geld versenken als mit der Titanic? Diese Branchen sollten Anleger jetzt meiden! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.