In Zeiten schwankender Märkte achten Anleger oft zuerst auf Dividenden, um ruhig schlafen zu können. Gerade deutsche Anleger lieben regelmäßige Ausschüttungen fast genauso sehr wie pünktliche Züge – zumindest theoretisch.

Doch hohe Renditen allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen auch in schwierigeren Jahren genügend Cashflow produziert. Genau hier könnten zwei MDAX-Werte wieder verstärkt ins Blickfeld rücken: Evonik Industries (WKN: EVNK01) und Ströer (WKN: 749399). Werfen wir heute einmal einen genaueren Blick auf sie.

Warum diese Dividendenzahler mehr können als nur Rendite

Evonik Industries zählt zu den größten Spezialchemie-Konzernen Europas. Das Unternehmen stellt keine glamourösen Endprodukte her, sondern chemische Vorprodukte und Zusatzstoffe, die unter anderem in Tierfutter, Kosmetik, Medikamenten oder Hochleistungsmaterialien verwendet werden.

Genau darin liegt der Burggraben: Viele Produkte sind hochspezialisiert, langfristig in industrielle Prozesse eingebunden und schwer austauschbar. Kunden wechseln hier nicht einfach den Lieferanten, wie es bei einem Stromanbieter der Fall wäre. So lautete zumindest die Grundthese, von der ich lange Zeit überzeugt war.

Doch der Aktienkurs spricht eine andere Sprache. Seit dem Börsengang im Jahr 2013 verlor die Aktie fast 46 %. Zwar flossen die Dividenden robust, doch dynamisches Dividendenwachstum gibt es hier nicht.

Die Gründe hierfür liegen in der strukturellen Krise der Chemieindustrie, die mit hohen Energiepreisen und chronischen Überkapazitäten kämpft.

Für Dividendenanleger ist das Segment dennoch attraktiv, da die Spezialchemie oft stabilere Margen liefert als die klassische Basischemie. Zudem arbeitet Evonik seit Jahren an Kostensenkungen und fokussiert sich stärker auf margenstarke Geschäfte.

Die Dividendenrendite kratzt im Jahr 2026 wieder an der Marke von sechs Prozent. Allerdings bleibt die Aktie zyklisch. Hohe Energiepreise, eine schwache Industriekonjunktur oder Druck aus China könnten die Gewinne erneut belasten. Wer investiert, braucht daher Geduld und eine gewisse Leidensfähigkeit.

Ströer wirkt auf den ersten Blick deutlich einfacher: Außenwerbung, digitale Werbeflächen und Online-Vermarktung. Die starke Präsenz im öffentlichen Raum ist ein überraschend robuster Burggraben.

Wer an Bahnhöfen, Straßen oder Flughäfen großflächig Werbung platzieren will, kommt an Ströer kaum vorbei. Viele Standorte sind langfristig gesichert und es entsteht nur langsam Konkurrenz.

Gleichzeitig profitiert der Konzern vom Trend zur digitalen Außenwerbung. Bildschirme statt Plakate erhöhen die Flexibilität und verbessern die Margen.

Trotzdem existieren Risiken: Werbemärkte reagieren empfindlich auf wirtschaftliche Abschwünge. Sinkende Marketingbudgets treffen Medienunternehmen in der Regel früh und direkt.

Zudem gibt es Verunsicherung durch Managementwechsel. Ströer wird als Übernahmekandidat gehandelt.

Dividenden mit Substanz – aber nicht ohne Nebenwirkungen

Beide Unternehmen zeigen, dass hohe Ausschüttungen nicht zwangsläufig eine Value-Falle darstellen müssen. Evonik punktet mit technologischer Tiefe und industriellen Eintrittsbarrieren, Ströer mit seiner dominanten Marktstellung im Außenwerbegeschäft.

Dennoch gilt: Sechs Prozent Dividende sind selten ein Geschenk ohne Gegenleistung. Anleger erwerben hier keine Wachstumsraketen, sondern solide Cashflow-Maschinen, die jedoch konjunkturellen Risiken unterliegen. Gerade das könnte jedoch im Falle einer Besserung der Konjunktur attraktiv sein.

Der Artikel 6% Dividende im Juni 2026: Diese deutschen Aktien überzeugen! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.