40 % Rendite in etwas über einem Jahr? Das klingt zunächst nach einer gewagten Börsenwette.
Doch glaubt man dem Analystenkonsens, könnte dies bei Alibaba (WKN: A117ME), Infineon (WKN: 623100) und Axon Enterprise (WKN: A2DPZU) der Fall sein. Nicht nur hypothetisch, denn es gibt konkrete operative Entwicklungen, die einen kräftigen Kursanstieg bis 2027 zumindest als Szenario plausibel machen.
Die entscheidende Frage ist allerdings, ob das Gewinnwachstum und der Cashflow schneller zulegen als die Erwartungen des Marktes. Schauen wir, wo der Hase im Pfeffer liegt.
Alibaba-Aktie
Alibaba steht vor einem bemerkenswerten Wandel. Aus dem chinesischen E-Commerce-Giganten soll zunehmend ein KI- und Cloud-Konzern werden.
Dies scheint auch gut zu funktionieren, denn der Umsatz mit AI Cloud & Compute sprang im jüngsten Quartal um 45 % auf 7,1 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig verbesserte sich die bereinigte EBITA-Marge des Cloud-Geschäfts auf fast 12 %.
Warum die Marge dennoch so niedrig ausfällt, liegt daran, dass Alibaba massiv in KI-Infrastruktur investiert – und genau darin liegt ein großer Hebel für die kommenden Jahre.
Gelingt es, die hohen Investitionen in schnell wachsende Cloud- und KI-Umsätze zu verwandeln, könnte die Bewertung Spielraum gewinnen. Historisch ist die Aktie günstig.
Das KGV für das kommende Geschäftsjahr liegt nur bei 13,7. Für das erwartete zweistellige Wachstum könnte das viel zu niedrig sein.
Dagegen stehen China-Risiken, regulatorische Eingriffe, intensiver Wettbewerb und hohe Investitionskosten. Analysten sehen durchschnittlich 67 % Upside-Potenzial.
Infineon-Aktie
Infineon spielt einen anderen Trumpf aus: Halbleiter für die Elektrifizierung und die KI-Infrastruktur. Sie sind essentiell für die Umsetzung zahlreicher Megatrends.
Wie gut das Geschäft läuft, erkennt man auch an den Finanzkennzahlen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte der Konzern mit 4,2 Mrd. Euro einen Rekordumsatz. Das Plus liegt hier zwar noch bei nur 9 %, wird aber gebremst.
Getrieben wurde das Geschäft vor allem durch den anhaltenden Boom bei KI-bezogenen Halbleitern und Chips für die Automobilindustrie. Gleichzeitig wurde die Dynamik im Vergleich zu früheren Boomphasen durch ein insgesamt anspruchsvolleres makroökonomisches Umfeld leicht gedämpft. Das könnte sich zumindest langfristig ändern.
Für das Gesamtjahr erwartet Infineon inzwischen rund 16,3 Mrd. Euro Umsatz und einen bereinigten Free Cashflow von fast 1,9 Mrd. Euro. Besonders spannend sind mehrjährige Kapazitätsvereinbarungen mit führenden KI-Kunden.
Sie umfassen ein kumuliertes Umsatzvolumen im hohen einstelligen Milliarden-Euro-Bereich. Risiken bleiben der zyklische Halbleitermarkt, geopolitische Spannungen und Preisdruck.
Das für 2027 erwartete KGV liegt bei unter 25. Analysten sehen im Durchschnitt Kursziele von über 86 Euro.
Axon Enterprise-Aktie
Axon Enterprise ist die wachstumsstärkste, aber auch die anspruchsvoll bewertete Aktie des Trios. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 35 % auf 904 Mio. US-Dollar. Der wiederkehrende Umsatz legte sogar um 39 % auf 1,6 Mrd. US-Dollar zu.
Kerntreiber des Wachstums sind Software-Erlöse und mittlerweile immer mehr die dazugehörige KI. Die KI-Umsätze explodierten nahezu.
Axon verbindet Bodycams, TASER, Drohnen, digitale Beweismittel und Software zu einer integrierten Plattform. Das kann langfristig für hohe wiederkehrende Erlöse sorgen und damit für einen kräftigen Bewertungsaufschlag.
Dieser wird heute schon mit einem erwarteten KGV für 2027 von über 100 gezahlt. Doch gemessen am Free Cashflow und unter Berücksichtigung von Cash liegt das 2027er-Ratio nur noch bei 47.
Anleger schätzen hier den extrem tiefen Burggraben und das nachhaltig hohe Wachstum, das noch über Jahre stark bleiben dürfte. Durchschnittlich sehen Analysten die Aktie bei über 700 US-Dollar.
Fazit: 40 % sind ein Szenario – keine Garantie
Ob Alibaba, Infineon oder Axon Enterprises – alle drei haben auf ihre Weise Charme und Potenzial. Alibaba nutzt den KI- und Cloud-Hebel, Infineon profitiert von KI-Rechenzentren und Elektrifizierung und Axon setzt auf ein wachsendes Software-Ökosystem.
Für eine Rendite von 40 % bis Ende 2027 müssten allerdings mehrere Faktoren zusammenkommen: steigende Gewinne, wachsende Cashflows und eine stabile bis höhere Bewertung. Möglich wäre das, aber es gibt spezifische Risiken.
Wer solche Chancen beurteilen will, sollte nicht nur auf Umsatzwachstum und Kurscharts schauen. Bilanzqualität, Verschuldung, Margen und Cashflow zeigen häufig früher, ob eine Wachstumsstory tatsächlich Substanz besitzt.
Der Artikel 3 unterbewertete Aktien für 2027: Diese Titel haben 40 % Potenzial! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.