Drei ETFs im Depot. Das klingt zunächst nach einer ziemlich breiten Diversifikation. Schließlich investieren viele Anlegerinnen und Anleger ganz bewusst in mehrere Fonds, um ihre Risiken zu streuen und möglichst viele Unternehmen abzudecken.
Ich halte den Gedanken grundsätzlich für vernünftig. Allerdings gibt es einen Fehler, den man dabei überraschend einfach machen kann. Man kauft drei unterschiedliche ETFs, investiert am Ende aber immer wieder in dieselben Unternehmen.
Und genau das kann zum Problem werden.
Drei ETFs, aber immer dieselben Aktien
Nehmen wir einen Anleger, der sein Vermögen auf drei bekannte Indizes verteilt: den MSCI World, den S&P 500 und den Nasdaq-100. Jeder dieser Indizes besitzt unterschiedliche Schwerpunkte und bildet eine andere Anzahl von Unternehmen ab.
Trotzdem gibt es bemerkenswerte Überschneidungen. Beispielsweise gehören Microsoft (WKN: 870747) und Apple (WKN: 865985) zu den Schwergewichten in allen drei Indizes. Wer sämtliche ETFs besitzt, investiert entsprechend mehrfach in diese Unternehmen.
Die Folge: Das Depot wird durch den zweiten und dritten ETF nicht zwangsläufig wesentlich breiter. Stattdessen erhöht sich möglicherweise einfach die Gewichtung bestimmter US-amerikanischer Technologieunternehmen.
ETFs: Wenn Diversifikation zur Konzentration wird
Das Problem liegt meiner Meinung nach weniger darin, dass große Unternehmen mehrfach im Depot vertreten sind. Schließlich haben sich viele dieser Konzerne ihre dominante Marktstellung durch beeindruckende wirtschaftliche Erfolge verdient.
Die Schwierigkeit entsteht vielmehr, wenn Anleger gar nicht wissen, wie stark sie bereits von einzelnen Unternehmen oder Branchen abhängig sind.
Gerade bei marktkapitalisierungsgewichteten Indizes können die größten Unternehmen überproportional viel Einfluss auf die Wertentwicklung nehmen. Ein zusätzlicher Nasdaq-100-ETF verstärkt bei einem bereits vorhandenen MSCI World beispielsweise häufig die Abhängigkeit von großen US-Technologieunternehmen.
Solange diese Aktien hervorragend laufen, erscheint das problemlos. Kommen die Schwergewichte jedoch unter Druck, können plötzlich alle drei ETFs gleichzeitig deutlich verlieren. Die vermeintlich zusätzliche Diversifikation erweist sich dann zumindest teilweise als Illusion.
Mehr Positionen bedeuten nicht automatisch weniger Risiko
Ich würde deshalb beim Blick auf ein Depot nicht allein die Anzahl der Aktien oder ETFs zählen. Entscheidend ist, welche wirtschaftlichen Risiken dahinterstehen.
Es kann beispielsweise sinnvoller sein, zehn Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zu besitzen als dreißig Aktien, die sämtlich vom gleichen wirtschaftlichen Trend abhängig sind. Bei ETFs gilt derselbe Gedanke: Entscheidend sind die tatsächlichen Unternehmen und ihre Gewichtungen.
Das bedeutet keineswegs, dass die Kombination aus MSCI World, S&P 500 und Nasdaq-100 grundsätzlich schlecht wäre. Wer bewusst einen Schwerpunkt auf große US-amerikanische Wachstumsunternehmen setzen möchte, kann genau diese Kombination wählen.
Allerdings sollte man dann auch wissen, dass man eine bewusste Schwerpunktsetzung vornimmt und nicht automatisch eine bessere Risikostreuung erhält.
Deshalb würde ich vor jedem zusätzlichen ETF-Kauf zunächst einen Blick auf die größten Positionen werfen. Sind es überwiegend Unternehmen, die ich bereits besitze, sollte ich mir überlegen, ob ich tatsächlich einen neuen Baustein benötige.
Vielleicht reicht schließlich ein ETF weniger, um die gewünschte Strategie genauso gut umzusetzen.
Der Artikel 3 ETFs im Depot: Warum du trotzdem zu viel auf eine Karte setzt! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.