Eine Million Euro. Kaum eine Zahl besitzt an der Börse einen ähnlich legendären Status. Die erste Million gilt für viele Anleger als Ziel, Meilenstein oder sogar als Eintrittskarte in die finanzielle Freiheit.
Wenn man die Rechnung dahinter betrachtet, wirkt das zunächst nachvollziehbar.
Wer ein Depot im Wert von 1 Mio. Euro besitzt und jährlich 4 % entnimmt, kommt auf rund 40.000 Euro pro Jahr. Das entspricht etwa 3.333 Euro monatlich.
Klingt komfortabel. Aber genau an dieser Stelle wird es interessant.
Die Million löst nicht jedes Problem
3.333 Euro monatlich sind eine respektable Summe. Trotzdem leben die wenigsten Millionäre so, wie sich Außenstehende das häufig vorstellen. Denn zwischen Vermögen und Lebensstandard besteht kein automatischer Zusammenhang.
Wer in einer teuren Großstadt lebt, hohe Wohnkosten hat oder regelmäßig verreist, wird diese 3.333 Euro ganz anders wahrnehmen als jemand mit einem schuldenfreien Eigenheim und überschaubaren Ausgaben.
Die Million verändert also nicht das Leben an sich. Sie erweitert vor allem die Möglichkeiten.
Der Staat sitzt mit am Tisch
Hinzu kommt ein Punkt, den viele Rechnungen unterschlagen. Die 3.333 Euro sind kein Nettobetrag. Kapitalerträge werden besteuert. Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer reduzieren den verfügbaren Betrag spürbar.
Aus den rechnerischen 3.333 Euro werden daher häufig eher etwa 2.500 Euro. Und plötzlich wirkt die berühmte Millionen-Euro-Rente deutlich bodenständiger.
Was mich an der Rechnung wirklich fasziniert
Trotzdem liegt die spannende Erkenntnis für mich nicht bei den Steuern. Sondern bei der Relation. Denn dieselbe Rechnung funktioniert auch rückwärts.
Wer beispielsweise mit 2.500 Euro monatlich auskommt, benötigt deutlich weniger als die vielfach zitierte Millionenmarke. Wer 5.000 Euro monatlich ausgeben möchte, benötigt dagegen erheblich mehr.
Die Million ist deshalb weder magisch noch universell. Sie ist lediglich ein Rechenergebnis.
Der eigentliche Denkfehler
Viele Anleger behandeln die Million wie eine Ziellinie. Nach dem Motto: Wenn ich dort angekommen bin, habe ich es geschafft.
In Wirklichkeit beginnt an diesem Punkt erst die nächste Frage. Wie soll das Vermögen genutzt werden? Soll es erhalten bleiben? Soll es konsumiert werden? Soll es weiter wachsen? Oder soll es später an Kinder und Enkel weitergegeben werden?
Erst die Antwort darauf entscheidet darüber, ob 1 Mio. Euro viel oder wenig sind. Und genau deshalb finde ich die berühmte Millionen-Euro-Rente so spannend. Nicht weil sie finanzielle Freiheit garantiert. Sondern weil sie zeigt, dass selbst große Vermögen immer nur im Zusammenhang mit den eigenen Zielen bewertet werden können.
Der Artikel 3.333 Euro monatlich: Die Wahrheit hinter der Millionen-Euro-Rente ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.