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DJ UPDATE2: Munich Re widersteht hohen Schäden und Griechen-Abschreibung

ISIN: DE0008430026
WKN: 843002

Donnerstag, 02. Februar 2012 | 11:23

--Nettogewinn im 4. Quartal um ein Drittel gestiegen

--Deutlich erhöhtes Kapitalanlageergebnis trotz Abschreibungen stützt

--Dividende bleibt trotz hoher Schadenbelastung bei 6,25 Euro

--Gewinn 2012 wieder auf Niveau vor jüngstem Katastrophenjahr

(Neu mit Aussagen von der Telefonkonferenz)


Von Jörn Rehren
DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Für die Munich Re ist eines der schwierigsten Jahre ihrer Geschichte versöhnlich zu Ende gegangen. Trotz erneut hoher Schadenbelastungen und weiterer Abschreibungen auf griechische Anleihen hat der weltweit größte Rückversicherer seinen Überschuss im vierten Quartal um ein Drittel auf rund 630 Millionen Euro gesteigert.

Im Gesamtjahr verdiente der DAX-Konzern dagegen mit rund 710 Millionen Euro nur gut ein Viertel des Ergebnisses von 2010. Grund sind die höchsten Schäden aus Naturkatastrophen, die die Münchener jemals in ihrer Geschichte verkraften mussten. Insgesamt waren es 4,5 Milliarden Euro, rund drei Mal so viel wie im Jahr zuvor. Allein im vierten Quartal kamen nochmals 950 Millionen Euro hinzu, wovon der größte Teil auf die Überschwemmungen in Thailand entfiel.

"Ein Jahr wie 2011 haben wir noch nicht erlebt", sagte Finanzvorstand Jörg Schneider mit Verweis auf extreme Belastungen durch Naturkatastrophen und die Finanzkrise. Der ausgewiesene Gewinn sei vor diesem Hintergrund "beachtlich". Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Wie schon früher angedeutet bleibt die Dividende, auch wegen der soliden Kapitalausstattung, stabil bei 6,25 Euro.

"Unsere Aktionäre sollen an der ... Widerstandskraft unserer Gruppe teilhaben", begründete Schneider die Großzügigkeit. Das bedeutet, dass die Münchener tief in die Rücklagenkasse greifen müssen. Denn die Ausschüttungssumme von rund 1,1 Milliarden Euro liegt deutlich über dem Jahresüberschuss. Schneider betonte jedoch, dass die Dividende "solide finanziert" sei.

Das erfreuliche Ergebnis des vierten Quartals wurde vor allem von den Kapitalanlagen getragen, die einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro abwarfen. Das sind gut 42 Prozent mehr als im Vorjahr, obwohl die Münchener nochmals Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen von rund 200 Millionen Euro vorgenommen haben. Die Hellas-Bonds stehen jetzt mit nur noch 23 Prozent des Nominalwertes in den Büchern statt zuvor 39 Prozent.

Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research, kritisierte jedoch die Qualität des Anlageergebnisses. Es sei offenbar auch von realisierten Anlagegewinnen gestützt worden, die sich nicht dauerhaft fortsetzen ließen. Für das laufende Jahr ist Schneider optimistisch, wieder eine Anlagerendite von etwa 3,5 Prozent zu erreichen. Das Niedrigzinsumfeld sei zwar schwierig. Das Unternehmen könnte dies aber "noch viele Jahre verkraften".

Das Versicherungsgeschäft selbst lief im vierten Quartal durchwachsen: Die Bruttoprämien stiegen etwas stärker als erwartet um gut acht Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Die Schaden-Kosten-Quote lag mit 101,8 Prozent - fast sechs Prozentpunkte über dem Vorjahr - dagegen überraschend hoch. Eine Quote über 100 Prozent bedeutet, dass sich das Versicherungsgeschäft nicht allein trägt und damit unrentabel ist.

Für das laufende Jahr ist die Munich Re positiver gestimmt. In der Erneuerungsrunde zum 1. Januar, bei der rund die Hälfte des Nicht-Leben-Rückgeschäfts vor allem in Europa und Nordamerika verhandelt wurde, hat sie Preissteigerungen von rund zwei Prozent durchsetzen können. Das liegt aber etwas unter dem Niveau der Hannover Rück, die in dieser Woche Preisanstiege von drei bis sechs Prozent verkündet hatte. Die Konkurrenz aus Hannover ist stärker in Nischenmärkten engagiert und hat dort wohl von einer größeren Preissetzungsmacht profitiert.

Laut Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek ist der Rückversicherungsmarkt insgesamt weiterhin schwierig und wettbewerbsintensiv. Angesichts des niedrigen Zinsumfeldes ginge Munich Re dennoch wie auch die Wettbewerber sehr diszipliniert vor und verzichte auf Neugeschäft, wenn es unrentabel sei - diesmal besonders in Europa. Das erneuerte Prämienvolumen stieg deshalb mit 2,6 Prozent nur wenig mehr als die Preise. Für die weiteren Erneuerungsrunden in diesem Jahr erwartet der Münchener Branchenprimus ebenfalls anziehende Raten, vor allem in den schadenbetroffenen Regionen in Japan und Australien.

Beim Gewinn in diesem Jahr will Munich Re wieder an die Zeit vor dem jüngsten Katastrophenjahr anknüpfen. Bei normalem Schadenverlauf und ohne gravierende Kapitalmarktbewegungen soll er wie 2010 bei rund 2,4 Milliarden Euro liegen. Für Thomas Noack, Analyst bei der WestLB, ist dies etwas enttäuschend, weil die zugrundeliegenden Prämieneinnahmen in diesem Jahr zehn Prozent über jenen aus 2010 liegen dürften.

Am Markt sorgen die Geschäftszahlen für wenig Bewegung. Die Aktie sinkt am Mittag in einem kaum veränderten Gesamtmarkt um 0,1 Prozent auf 101,45 Euro. Seit Jahresanfang weist sie ähnlich wie der DAX ein Plus von rund sieben Prozent auf.


-Von Jörn Rehren, Dow Jones Newswires;
+49 (0)69 - 29725 115, joern.rehren@dowjones.com
DJG reh sha

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February 02, 2012 06:23 ET (11:23 GMT)

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