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Wirtschaftsphilosophie & Frank-Stronach-Institut - Sind wir auf dem Weg aus dem Schlamassel? (Bericht vom 02.05.2012)

Montag, 07. Mai 2012 | 15:13

Es gibt auch positive Dinge, die diese Wirtschafts- bzw. Systemkrise hervorgebracht hat. Eigentlich sehr positive Dinge, mit denen ich eigentlich so nicht gerechnet habe. Ich möchte jetzt nicht weiter auf die Punkte dieser Systemkrise eingehen, das habe ich bereits hinlänglich hier beschrieben und auch Großteils in meinem Buch „Finanzkrise 2008 – Wie es dazu kam und was wir daraus lernen können“ verarbeitet (Sie können das Buch kostenlos bei uns als PDF anfordern – es stammt aber schon aus 2008 und geht somit auf das aktuelle Stadium der Systemkrise nicht ein und müsste längst schon überholt werden).
Aber gerade diese Systemkrise hat die Menschen wieder aufgerüttelt und sie sind vielleicht systemkritischer geworden bzw. sie glauben nicht mehr alles, was ihnen vorgesetzt wird. Auch sieht man, dass die Menschen versuchen, sich mit der unmittelbaren Umwelt wieder stärker zu vernetzen, sodass im Falle eines wirklich dramatischen Zusammenbruches wieder auf lokale Infrastrukturen zurückgegriffen werden kann. Gerade in meinem Umfeld merke ich, wie viele jetzt wieder bei den lokalen Bauern einkaufen oder selbst im geringen Rahmen Gemüse usw. anbauen. Das hat es früher in dieser Dimension nicht gegeben.
Viele Menschen versuchen aber auch, das Wirtschaftssystem besser zu verstehen und bei meinen Nachforschungen bin ich auf das Wiener Institut für Wertewirtschaft (http://www.wertewirtschaft.org/) gestossen, das auch ein Grundlagenseminar zum Thema Wirtschaftsphilosophie anbietet. Dieses Institut, welches von DI Rahim Taghizadegan und Dr. Eugen Maria Schulak geleitet wird, ist ein maßgeblicher Vertreter der „Österreichischen Schule für Nationalökonomie“ und wurde in den letzten Monaten vor allem durch den österreichischen Kabarettist Roland Düringer bekannt (http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=akQqj1Yi_uc). Dieser hat eine Brandrede im staatlichen ORF gehalten, welche genau dem Buchtitel des neuesten Werkes von Taghizadegan und Schulak, „Vom Staatstrottel zum Wutbürger“, entspricht bzw. sich darauf bezieht. Ein weiteres Buch „Wirtschaft wirklich verstehen: Einführung in die Österreichische Schule der Ökonomie“, das Taghizadegan, der auch Dozent an der Hochschule Liechtenstein, der Wirtschaftsuniversität Wien und der SMC University ist, geschrieben hat, kann ich nur als Grundlagenbuch empfehlen.
Umso mehr war ich gespannt, als ich das dreitägige Wirtschaftsphilosophie-Seminar besuchte. Natürlich war es ein Grundlagenseminar und daher habe ich keine wirklichen Quantensprünge in meinem Gedankenuniversum erwartet, aber was mich wirklich interessierte war, welche Personen an diesem Seminar teilnehmen und vor allem welchen Diskussionen geführt werden. Sehr gut war auch, sich für ein paar Tage aus dem „System“ zu nehmen und einfach nur nachdenken zu können. Philosophie ist ja die Kunst des Denkens – eigentlich heißt es eher „Wahrheitsliebe“ oder die „Liebe zur Weisheit“ – aber der Begriff steht für systematisches und wissenschaftlich orientiertes Denken. Jenes Denken, das scheinbar in der Neuzeit vor allem von unseren Politikern zugunsten der Meinungsmachung und Stimmenfanggeilheit aufgegeben wurde.
Kurz zusammengefasst wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht. Das Publikum, das sich teilweise reger Diskussionen hingab, war bunt gemischt und kam aus Deutschland, Österreich und Liechtenstein. Natürlich herrschte eine liberale Grundgesinnung vor, sonst wäre wohl eine positive Grundeinstellung zur österreichischen Schule der Nationalökonomie kaum möglich. Jedoch vermischten sich ab und zu liberale mit egoistischen Grundzügen ein wenig, aber ich glaube, das ist in so einem Gedankenprozess immer gleich.
Interessant war die Diskussion über „gutes bzw. freies Marktgeld“. Ich war ein wenig überrascht, wie wenig sich die meisten Teilnehmer Gedanken darüber gemacht haben, wie so was aussehen kann, obwohl sie es massiv befürworten. Ich bin zwar ein Befürworter von „freiem Marktgeld“, halte es aber für sehr unwahrscheinlich, dass es dazu kommen wird. Daher habe ich mir auch noch nicht so richtig Gedanken gemacht, wie so was aussehen kann. Als ich dann Vorschläge gemacht habe, wie und in welchem rechtlichen Rahmen so was aussehen könnte, wurde ich mit Kritik überzogen. Erst im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass sich scheinbar die meisten noch keine Gedanken gemacht haben, welchen rechtlichen Rahmen so ein Geld haben muss und vor allem, wo liegt die kritische Größe um für die Wirtschaft wirklich von Bedeutung zu werden? Ich meine, es kann doch keiner glauben, dass zum Beispiel Herr Maier aus Frankfurt goldgedecktes Geld in Umlauf bringt, das sich dann auf dem Markt als die Reserve oder Abrechnungswährung durchsetzten wird?
Wenn man sich einmal im Klaren darüber ist, wo die kritische Größe liegt, um wirklich für die Wirtschaft von Bedeutung zu sein, dann kann man auch schnell den Rahmen dazu ausmachen, wer dazu in der Lage sein kann, so ein „gutes Geld“ im Umlauf zu bringen. Ich persönlich schätze den Bedarf auf 2.000 bis 5.000 Mrd. Geldeinheiten bzw. Euro oder Dollar, die so einem freien Marktgeld hinterlegt werden muss. Aber wie hoch der Bedarf liegt, werden wir womöglich nie erfahren.
Jedenfalls kann ich nur jedem empfehlen, einmal auf der Webseite vom Institut für Wertewirtschaft (http://www.wertewirtschaft.org/) vorbei zu schauen bzw. ein Seminar zu besuchen. Vielleicht sieht man sich ja dort.
Frank-Stronach-Institut – Werden Sie jetzt aktiv!
Auch sehr interessant war, dass ich gestern eine Postwurfsendung vom „Frank-Stronach-Institut“ bekommen habe. Er spricht von einer Revolution für Österreich und ein Grundsatz von Ihm ist „Politiker sein heißt, seinem Land zu dienen“. Im Prinzip ein löblicher Ansatz, der nur unterstützt werden kann. Seine weiteren Grundpfeiler sind: Demokratie Stärken, Schuldenfreie Zukunft, Weniger Verwaltung, Wirtschaftswachstum fördern und Wohlstand schaffen. Er bzw. seine Mitarbeiter haben dazu Vorschläge erarbeitet, die der österreichischen Schule der Nationalökonomie nicht unähnlich sind. In Summe eine wirklich gelungene Initiative und ich kann jedem nur empfehlen, sich die Homepage http://www.stronachinstitut.at bzw. deren Flyer (ließ sich bei mir nur im Firefox öffnen) anzusehen (http://www.stronachinstitut.at/wp-content/uploads/2012/02/Brosch%C3%BCre2.pdf).
Alleine die Existenz dieser zwei Institute bzw. deren Erfolg sind ein Zeichen dafür, dass ein Umdenken in der Bevölkerung begonnen hat. Diese Entwicklung habe ich eigentlich nicht erwartet und lässt für eine bessere Zukunft hoffen. Denn wie Düringer schon gesagt hat, lauert die „braune Gefahr“ bereits um die Ecke und das wäre wohl das Letzte, was wir wirklich brauchen würden.
In diesem Sinne wünsche ich noch eine schöne Restwoche und wünsche weitere Kursschübe. Mein Bericht zur Ölkonferenz kommt in Kürze
Kurs auf!
Ihr
Joachim Brunner
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Joachim Brunner ist Berater des First Junior Zertifikates (WKN LS2JEX) und des Fonds PI global one (WKN 0A0636) und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Portfolio Invest in Salzburg. Es ist daher möglich, dass sich die in diesem Artikel beschriebenen Aktien im Fonds/Depot bzw. dem dazugehörigen Index befinden.
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Kürzlich von 'Smallcap-Investor' veröffentlicht