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Sorgen um griechischen Schuldenschnitt belasten den DAX

Mittwoch, 07. März 2012 | 13:10

von Jochen Steffens

Na, da erwischt es den DAX nun doch endlich und gleich richtig. Die Konsolidierung setzt ein. Der DAX schließt 3,4 Prozent im Minus. Interessanterweise finden sich heute in vielen Publikationen Aussagen wie: „Der DAX war einfach heiß gelaufen“ und „Nach einem Anstieg von über 1.000 Punkten ist eine Konsolidierung nicht ungewöhnlich!“ Das ist eigentlich schon verdächtig. Und meines Erachtens gibt es einen handfesten Grund:

Griechenland-Pleite im Spiel

Es geht um die Frage, ob die privaten Gläubiger Griechenlands auf den freiwilligen Schuldenerlass eingehen. Es mehren sich Gerüchte, die darauf hinweisen, dass der freiwillige Forderungsverzicht scheitern könnte. So werde schon eine Verlängerung des Umtauschangebots diskutiert, hieß es – das wurde jedoch direkt dementiert. Das Problem liegt wohl bei den Hedge-Fonds, die auf ein großes Geschäft hoffen. Sie haben die Anleihen den Banken weit unter Marktwert abgekauft. Sollten genügend private Gläubiger freiwillig beim Schuldenerlass mitmachen, könnte Griechenland wieder die Anleihen derjenigen, die nicht mitmachen, bedienen. Das wäre ein gigantisches Geschäft. Und genau die Hoffnung auf dieses Geschäft könnte den Schuldenschnitt scheitern lassen.

Alles nur Drohkulisse?

Die Politik versucht also, den Druck zu erhöhen, indem sie Horrorszenarien an die Wand malt. Und das nicht einmal zu Unrecht, denn wenn aus dem freiwilligen Schuldenerlass ein erzwungener wird, würden auch die Hedgefonds kein Geschäft machen.

Und so ist es diese Drohkulisse der Politik, die einen nachvollziehbaren Hintergrund hat, welche die Märkte im Moment verunsichert. Dass es die Probleme in Europa sind, die den Markt beeinflussen, zeigt sich übrigens auch an den Kursverlusten des Euros.

Sollten diese Drohungen nicht fruchten, müsste der Schuldenschnitt erzwungen werden. Und in diesem Fall könnten die Kreditausfallversicherungen (CDS) fällig werden, und das träfe die Banken. Eine Quasi-Staatspleite Griechenlands würde also eine gigantische Forderungswelle auslösen, ganz abgesehen von den Folgen für die anderen Länder, die zurzeit mit der Schuldenkrise kämpfen.

Hoffen wir, dass es wirklich nur eine Drohkulisse bleibt, denn ansonsten stehen uns heftige Zeiten bevor!

Gibt es im DAX charttechnische Hinweise auf eine nachhaltige Trendumkehr?

Ich sehe jetzt schon die Analysen vor mir: „Achtung! SKS im DAX! Die Rally ist zu Ende!“ und vergleichbares. Denn in dem aktuellen Trend bildet sich eine Formation, die einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) sehr ähnelt. Wäre es eine SKS, wäre dies schon ein ernstzunehmender Hinweis auf größere Gefahren, denn eine SKS ist eine nachhaltige Trendumkehrformation.

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In diesem Fall wäre es, wie Sie im Chart sehen können, eine SKS mit zwei Köpfen, also eine SKKS. Und die Formation würde auch nur dann einer solchen ähneln, wenn sich der Kursverlauf ungefähr wie oben eingezeichnet (rot gestrichelte Linien) weiterentwickeln würde.

Ohne Umsätze keine Formation

Aber selbst dann ist es keine SKS oder SKKS. Die Umsätze stimmen nicht. Wir sehen weder in der linken Schulter (S) noch in den Köpfen (K) einen entsprechend signifikanten Umsatzanstieg, der unabdingbare Voraussetzung für eine SKS ist. Und wenn eine der Voraussetzungen für eine SKS nicht erfüllt ist, dann handelt es sich um nichts weiter als eine Seitwärtsbewegung oder auch Rechteckformation. Diese sind an sich sogar Fortsetzungsformationen. Das heißt, aus charttechnischer Sicht ist aufgrund dieser Formation die Wahrscheinlichkeit immer noch leicht höher, dass die Kurse nach oben ausbrechen.

Sollte aber die Nackenlinie der SKS (blaue Linie) bei 6.650 Punkten brechen, würde das auch bei einer Seitwärtsbewegung heißen, dass erst einmal mit weiter fallenden Kursen zu rechnen sei. Der einzige Unterschied wäre dann lediglich, dass es sich eben nicht um eine Top-Formation handelt, die das Ende des Trends anzeigt.

Scheitert jedoch der freiwillige Schuldenschnitt können die Kurse natürlich auch ohne eine Top-Formation auch längerfristig einbrechen. Eine Top-Formation wäre nur ein früher und deutlicherer Hinweis auf dieses Ereignis.

Die fehlenden Umsatzspitzen, also die vergleichsweise geringen Umsätze, weisen aber darauf hin, dass die großen Adressen in den vergangenen Wochen nicht mit einem Scheitern rechneten oder die Folgen nicht so dramatisch einschätzen.

Erste bearishe Hinweise

Unabhängig von einer SKS ist es auf jeden Fall nicht gut, dass der DAX das obere Ende des Aufwärtstrendkanals (hier grün) nicht abgearbeitet hat. Sollte er nun, ohne das zu tun, an die untere Begrenzung des grünen Trendkanals laufen, wäre dies ein schlechtes Zeichen.

Stürmische See voraus

Da die Gläubiger erst bis Donnerstagnacht zugestimmt haben müssen, könnte es in den kommenden beiden Tagen noch etwas ungemütlich werden. Da zudem eine Verlängerung der Frist oder andere Lösungsideen durchaus möglich sind, könnte sich die Konsolidierung auch noch hinziehen.

Angesichts dieser Tatsache ist es natürlich fraglich, ob sich überhaupt eine SKS wie oben eingezeichnet ausbilden wird. Fallen die Kurse jetzt schon nachhaltig unter die 6.650er Marke, wäre diese Formation sowieso hinfällig. Und ich sehe gerade, der Schlusskurs heute liegt bereits unter dieser Marke. Damit das oben beschrieben Szenario überhaupt im Spiel bleibt, müssten also die Kurse morgen deutlich anziehen.

Viele Grüße

Jochen Steffens

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Für den Inhalt dieses Börsenbriefes ist der Redakteuer Jochn Steffens verantwortlich! www.stockstreet.de

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