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Griechenland kann sich nach wie vor nur selbst retten

Mittwoch, 22. Februar 2012 | 11:17

Miriam Kraus - Redaktion Investor Verlag

Juhuu, wir haben der Zone wieder ein bisschen mehr Zeit erkauft. OK, man könnte auch sagen, die Zonen-Brüderstaaten haben den Weg für das zweite Hilfspaket an die Griechen auf den Weg gebracht. Was man nicht sagen kann, ist, dass sich Griechenland als gerettet wähnen darf. Aber eigentlich geht's darum auch gar nicht, denn eigentlich geht und ging es nur darum Griechenland erneut ein wenig zur Seite zu schaffen, damit der Rest der Zone wieder ein Zeitfenster erhält, in dem hoffentlich tatsächlich etwas verbessert werden kann.

Griechenland kann sich nach wie vor nur selbst retten

Also, fast noch rechtzeitig (für Montag hatte man es ja angekündigt) bekommen die Griechen das OK für das nächste Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro. Die privaten Gläubiger sollen auf 53,3% ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten. Der Rest wird in neue Anleihen mit längerer Laufzeit von 11 bis 30 Jahren und geringerem Zinssatz von 2-4,3% getauscht. Außerdem werden die Zinssätze für unsere bisherigen Hilfskredite auf 1,5 Prozentpunkte + Euribor gesenkt. Und auch die EZB, sowie die nationalen Notenbanken der Zone wollen beim großen Hilfseinsatz mitmachen und ihre Gewinne zugunsten der "Verringerung der Verschuldung Griechenlands" einsetzen.

Dafür sollen die Griechen jetzt ihre Verschuldung aber echt mal in den Griff bekommen und diese bis 2020 auf 120,5% vom BIP senken. Und damit die Griechen ihre Ziele eventuell auch erreichen, gibt's ein Sperrkonto und Kontrolle durch EU-Kommissions-Experten oben drauf.

Also, alles paletti? Na ja, wenn wir es im vorliegenden Falle nur nicht ausgerechnet mit Griechenland zu tun hätten....

Denn bleiben wir realistisch: Griechenland ist aktuell immer noch Griechenland! Natürlich könnte heute kein OECD-Staat mehr existieren, müsste er die Zinsbelastung tragen, die Griechenland tragen würde, wenn es sich über die freien Finanzmärkte refinanzieren müsste. Aber, die hohe Staatsverschuldung und die hohe Zinsbelastung, die das Land einst in die Arme der Brüderstaaten trieb, sind eigentlich nur eines von vielen Problemen Griechenlands.

Also kann eine finanzielle Entlastung auch nur eines von vielen Problemen Griechenlands lösen.

Und diese anderen grundlegenden strukturellen Probleme kann das Land nur alleine aus dem Weg räumen.

"Sparpaket" - Fluch und Segen zugleich

Natürlich leiden die Griechen, denn im Gegenzug für die Finanzhilfe müssen sie ein weiteres Sparpaket durchdrücken. Dieses Sparpaket besteht aus Kürzungen im Verteidigungssektor, Renten-Kürzungen, Kürzungen im Gesundheitssektor, Kürzungen beim Arbeitslosengeld, einer Senkung des Mindestlohnes, der Streichung von Lohnzuschüssen und Zuschüssen für Städte und Gemeinden, der Schließung von 200 nicht effizienten Steuerämtern, der Entlassung von 150.000 Staatsangestellten bis 2015 und der Öffnung von 17 geschlossenen Berufen.

Klar, dass die Betroffenen wütend sind und ebenso klar ist auch, dass dies der griechischen Wirtschaft nicht gerade zuträglich ist. Menschen, die ihre Jobs verlieren und weniger Geld zur Verfügung haben, setzen weniger um, zahlen weniger Steuern und verringern die Einnahmenseite des Staates.

ABER ...

Alle diese Reformen sind notwendig und alle diese Reformen müsste Griechenland gezwungenermaßen auch umsetzen, wenn es die Eurozone verließe. Denn das Land hat sich mit der Drei- bis Vierfachbesetzung von Jobs im Öffentlichen Sektor, über den viel zu schnellen Anstieg der Löhne in den Vorkrisen-Jahren und die Beibehaltung überkommener festgefahrener Strukturen, bis hin zur florierenden Korruption und Steuerhinterziehung selbst ins Aus manövriert. Diese Fehler der Vergangenheit müssen, so oder so, wieder gut gemacht werden, denn nur so kann das Land irgendwann wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Daran führt nun einmal kein Weg vorbei.

Die Frage ist jetzt nur noch, ob das auch den Griechen selbst bewusst ist ...

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Kürzlich von 'GOLDINVEST.de' veröffentlicht